Medienkonzepte in der Digitalen Lehrerbildung: #4 Mahara


Einsatz des E-Portfolios „Mahara“ zur Förderung von Selbststudienphasen

(c) TU Darmstadt

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe von praxiserprobten Medienkonzepten, die im Rahmen des zQSL-Projekts Digitale Lehrerbildung entstanden sind. Das Ziel der Ausarbeitungen ist es, Einblicke in verschiedene Lehraktivitäten und mediendidaktische Konzeptionen an der TU Darmstadt zu geben.

An der Konzeptualisierung, Ausarbeitung und Umsetzung der praxiserprobten Medienkonzepte waren beteiligt: Petra Grell, Gülsah Kilic, Tine Nowak, Franco Rau, Sophie Schaper, Anni Steiner, Julia Werthmüller und Marco Wolf. In den vorangegangen Teilen dieser Beitragsreihe ging es um den Einsatz von Wikibooks, um den Einsatz von Flipped Classroom sowie um den Einsatz von Wikis.

 

Mahara unterstützt dabei, das eigene Lernen zu reflektieren

Mit Hilfe von Mahara können Studierende E-Portfolios anlegen und verwalten, kollaborativ an Texten und anderen Produkten arbeiten, ihre Projekte strukturieren und veröffentlichen sowie Einblicke in die Arbeiten von anderen Studierenden erhalten. Das E-Portfolio kann Studierende in ihren Selbststudiumsphasen unterstützen, indem den Lernenden eine Plattform geboten wird, auf der Lehrende zum einen Fragen und Aufgaben zur strukturierten Auseinandersetzung mit Themen, zum anderen aber auch Materialien zur selbständigen Vertiefung eigener Fragen oder Orientierungshilfen und -strukturen zur Reflexion des eigenen Lernens und der eigenen Lernstrategien bereitstellen können.

Mahara ist eine freie Software für ein E-Portfolio-System, welches es ermöglicht, digitale Materialien zu sammeln, zu sortieren und zu kommentieren. Ein E-Portfolio kann als eine interaktive Online-Sammelmappe von Texten, Bildern, Videos verstanden werden, die online angelegt, modifiziert und kommentiert werden können. An der TU Darmstadt wird Mahara vom HRZ angeboten und kann über die zentrale TU-ID verwendet werden.

 

Doppelte Vermittlungspraxis in Bezug auf digitale Medien

Das Projektseminar E-Learning Projekt besuchen Lehramtsstudierende (Lehramt am Gymnasium und für berufliche Schulen) im Rahmen des Wahlpflichtmoduls Informationspädagogik. Im Rahmen des Moduls sollen theoretische, analytische und gestalterische Fähigkeiten im Kontext von Medienpädagogik und Didaktik erworben werden. Das Seminar umfasst zwischen 20-30 Teilnehmer*innen. Ziel des Seminars E-Learning Projekt ist es, die praxisbezogenen Kompetenzen zur mediendidaktischen Planung und Gestaltung von digitalen Lernumgebungen exemplarisch zu vertiefen.

Im Rahmen der Modulbeschreibung werden dafür u.a. die folgenden Kompetenzen als Zieldimensionen formuliert:

  • “Einsatzbereiche für Neue Medien in Bildungsprozessen hinsichtlich ihrer unterschiedlichen lernfördernden Potenziale differenzieren und begrenzen”,
  • “den Einsatz Neuer Medien in Bildungsprozessen so organisieren, dass die Lernenden zu erhöhter Selbsttätigkeit und eigenverantwortlichem Lernen angeregt werden”,
  • “für die pädagogische Sinnhaftigkeit selbst entwickelter Formen des Medieneinsatzes argumentativ (auch in Bezug auf kritische Nachfrage) eintreten”. (Modulbeschreibung LaG 2009, TU Darmstadt)

Das E-Learning Projekt kann unterschiedliche Schwerpunkte aufweisen. Im Rahmen des folgenden Szenarios wurden Studierende mit der Aufgabe konfrontiert, einen Entwurf einer Unterrichtseinheit zum Thema Jugendmedienschutz unter Verwendung von digitalen neuen Medien zu erstellen. Somit gibt es im Seminar eine doppelte Vermittlungspraxis, also zum einen das Lernen über Medien (Thema: Jugendmedienschutz aus schulischer Perspektive), zum anderen das Lernen mit Medien (Lernszenario unter Verwendung digitaler Medien).

Mahara an der TU

Die Studierenden arbeiten in Gruppen gemeinsam am Entwurf, der Modifizierung und zuletzt der Präsentation ihrer Unterrichtseinheit. Dies geschieht im Seminar, sowie mit Hilfe des E-Portfolios, auf Mahara. Der Mahara-Kurs dient dabei zunächst zur Dokumentation der Inhalte, die im Seminar vorgestellt und besprochen wurden (z.B. Foliensätze, Grundlagenliteratur), also der Fragen und Aufgaben zur strukturierten Auseinandersetzung mit Themen. Anschließend gelingt mit Hilfe von Mahara die Themenfindung der Unterrichtseinheit und das kollaborative Arbeiten an den Unterrichtseinheiten, also Materialien zur selbständigen Vertiefung eigener Fragen. Das E-Portfolio Mahara bietet dabei mehr Möglichkeiten und Gestaltungsspielräume als Moodle, z.B. lassen sich eigene Gruppen für die verschiedenen Projekte anlegen. Die Präsentationen erfolgten auch über Mahara. Zuletzt wurde mit Hilfe von Mahara die Abgabe der Studienleistungen (Analysepapiere) realisiert, u.a. eine Orientierungshilfe zur Reflexion des eigenen Lernens. Auch diese wurden auf Mahara hochgeladen.

Aufgrund des Einsatzes von Mahara im Grundstudium LaG ist die Mehrzahl der Studierenden bereits mit der Plattform in Berührung gekommen und sie kennen die grundlegenden Funktionen. Ein schneller Einstieg und die Umsetzung erster Produkte ist – sofern Vorerfahrungen vorhanden sind – in kurzer Zeit realisierbar. Beispiele sind u.a. der Entwurf einer QR-Code-Rallye zum Thema Cybermobbing oder das Erstellen von Video-Tutorials zum Thema Sexting. Ebenfalls lässt sich eine Transparenz über die Arbeitsschritte und Verläufe der einzelnen laufenden Gruppenprojekte für den gesamten Kurs ermöglichen. Das Anlegen multimedialer Inhalte hilft den Studierenden zusätzlich, mit verschiedenen Medienformaten arbeiten zu können und für ihre Medienprojekte nutzbar zu machen bzw. einzubinden.

 

Studierende bemängeln die fehlende Übersichtlichkeit in Mahara

Die Arbeit mit der Plattform Mahara birgt einige Einschränkungen. Aufgrund dessen, dass Mahara eine browserbasierte Anwendung ist, ist zum Arbeiten eine konstante Internetverbindung notwendig. Weiterhin lassen sich zwar einzelne Portfolioseiten von verschiedenen Personen erstellen, eine gleichzeitige/simultane Bearbeitung der Inhalte ist jedoch nicht möglich. Ebenfalls die Struktur bzw. der Aufbau der Anwendung wurde seitens einiger Studierenden als zu komplex und unübersichtlich angemerkt, was zulasten einer intuitiven Nutzung und Umsetzung von E-Portfolios führen kann. Zwar hat ein Großteil der Studierenden bereits vor Beginn der Veranstaltung mit Mahara gearbeitet, die Resonanz auf die Anwendung ist jedoch nicht durchweg positiv. Die Nutzung verschiedener Funktionen (Forum, Diskussionsboard, Kommentarfunktion usw.) blieb in diesem Szenario aus oder wurde nur aufgrund von Verbindlichkeiten zwischen Dozierenden und Studierenden genutzt.

Das Seminar E-Learning-Projekt von Marco Wolf fand am Arbeitsbereich Medienpädagogik statt.

Das ausführliche Konzept inklusive zusätzlicher Informationen (u.a. Zusammenfassung und Literaturverzeichnis) gibt es auch zum Mitnehmen als PDF.

 

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