„Never change a winning team“


Gastbeitrag von Lina Weiser & Prof. Dr. Markus Lederer aus dem Arbeitsbereich Internationale Beziehungen im Institut für Politikwissenschaft an der TU Darmstadt

Der folgende Erfahrungsbericht resultiert aus einem durch das Förderprogramm Studentische E-Learning Experten“ unterstütztes Projekt zur Umsetzung digitaler Lehre. Das Förderprogramm ist Teil des hessenweiten Projekts „digLL – Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“.

Hintergrund der Lehrveranstaltung

Bild: BMEL/ photothek.net/ Michael Gottschalk

Bild: BMEL/ photothek.net/ Michael Gottschalk

Die Vorlesung „Einführung in die Internationalen Beziehungen“ ist die zentrale Veranstaltung, um Studierende im BA an unser Teilgebiet heranzuführen und sie für die Thematik zu begeistern. Die Veranstaltung geht problemorientiert vor und wirft wichtige gesellschaftliche Fragen auf, wie zum Beispiel „Warum gibt es Krieg und Gewalt?“, „Warum herrscht auch immer wieder Frieden zwischen Staaten?“, „Wieso gibt es soviel Armut in der Welt?“, „Welche Verantwortung haben wir für nachfolgende Generationen?“. Diese Themen werden dann in der Vorlesung in die Literatur und Diskussionen der Subdisziplin der Internationalen Beziehungen eingeordnet. Das Ziel ist es, den Studierenden deutlich zu machen, dass es zu jeder dieser Fragen eine wissenschaftliche Debatte gibt, welche sich historisch entwickelte. Ferner sollen Studierende lernen, dass bestimmte Teilaspekte wissenschaftlich unstrittiger sind als andere. Die Vorlesung wird von einem Seminar begleitet, in welchem die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen dieselben Themen behandeln, nun aber weniger problemorientiert als vielmehr theoriegeleitet.

Projektvorhaben – Nutzung von Prezi

Die Vorlesung wurde von 2011-2013 und wieder seit 2016 von Markus Lederer geleitet, welcher die Präsentationssoftware Prezi für die Veranstaltung nutzte und nach wie vor nutzt. Um die Präsentationen upzudaten, aber auch um animierte Elemente stärker einzubauen, zum Beispiel in Form von kleinen selbsterstellten Videos, wurde Lina Weiser als studentische Hilfskraft eingestellt (finanziert durch das Förderprogramm „Studentische E-Learning Experten“). Gemeinsam sind wir der festen Meinung, dass Prezi sich in der Benutzung und dem Ergebnis von den anderen, meistens eher starren, Präsentationsprogrammen unterscheidet und die Betrachtung der Präsentation durch die Studierenden fließender erfolgt. Die einzelnen Teile eines Themas können visuell und somit auch gedanklich besser miteinander verbunden werden. Prezi kann also dazu beitragen, die virtuelle Vorlesung etwas dynamischer und lebhafter zu gestalten. Auch ist die Einbettung von multi-media Anwendungen einfach. Schließlich haben Studierende über Jahre hinweg ein in der Regel sehr positives Feedback zu den Präsentationen gegeben.

Wie uns die neue Prezivariante einen Strich durch die Rechnung machte…

Leider lief alles anders als geplant. Kurz vor unserem Projektstart hatte Prezi seine Benutzer*innenoberfläche stark verändert (siehe Bilder 1 und 2 – neu und alt). Wir gestalteten einige Präsentationen mit den neuen Designmöglichkeiten unter sehr hohem Zeitaufwand, allerdings stellte sich bald heraus, dass diese das typisch Fließende nicht mehr so gut darstellen konnten. Generell hatte sich das Erstellen der Präsentationen sehr verkompliziert, viele Designoptionen waren entfernt worden und unsere Kreativität war dadurch eingeschränkt. Auch war die Einbettung von Videos kaum noch möglich. Prezi hat unserer Erfahrung nach einen absoluten Rückschritt in der Entwicklung gemacht und kann in seiner aktuellen Version nicht weiterempfohlen werden. Die alte Version kann zwar noch genutzt werden, wird sich aber die nächsten Jahre auslaufen.

Gemeinsam und nach viel verlorener Zeit entschieden wir uns, die alte Prezi-Variante zum Bearbeiten der Präsentationen zu nutzen und sie „nur“ upzudaten. Aufgrund der COVID-Situation haben wir dann auch keine Möglichkeit mehr gesehen, Videos selbst aufzunehmen und Interviews mit Kolleg*innen außerhalb Darmstadts durchzuführen.

Wie haben wir die Lehrveranstaltung letztlich durchgeführt?

Um die Interaktion der Studierenden zu erhöhen wurden via moodle zwei Foren eingerichtet, welche zum einen organisatorische und zum anderen inhaltliche Aspekte behandelten. Dies wurde im Rahmen der begleitenden Seminare organisiert, da hier kleinere Gruppen vorhanden waren, die sich so zumindest ein wenig kennenlernen konnten.

Die Vorlesung wurde im Sommer 2020 dann synchron via Zoom durchgeführt. Die Studierenden haben in relativ hoher Teilnehmerzahl an den Sitzungen teilgenommen (circa 100 Teilnehmer*innen pro Sitzung im Vergleich zu 130 im Semester davor). In Zoom funktioniert Prezi – auch in der alten Version – zwar technisch gut, aber da die Online-Vorlesung sehr viel linearer verläuft und es weniger Diskussion und Rückfragen gibt, bleibt der didaktische Beitrag unserer Ansicht nach geringer als bei einem vollen Hörsaal, wo Prezi sehr viel besser zur Geltung kommt. Von daher war unser Projekt, was Prezi betrifft, nur begrenzt von Erfolg beschieden bzw. wir lernten, dass manche Programme durch Updates nicht benutzer*innenreundlicher werden.

Für das kommende Sommersemester wird daher von Anfang an auf das „alte“ Programm zurückgegriffen und die Veranstaltung zweigeteilt – eine asynchrone Einspielung via Prezi und Panopto von circa 60 Minuten – und eine wöchentlich stattfindende 60-minütige Diskussion. Eine solche Zweiteilung hat sich auch im Wintersemester bei einer anderen Vorlesung als zwar zeitintensiver aber dafür besser nachvollziehbar für die Studierenden erwiesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.