Interaktive Videos mit H5P erstellen 6


Im letzten E-Learning Stammtisch haben wir uns mit dem Online-Werkzeug „H5P“ beschäftigt und uns dabei unter anderem angeschaut wie damit Interaktive Videos erstellt werden können.

Angeregt durch das rege Interesse beim Stammtisch und den didaktischen Gestaltungsmöglichkeiten, welche wir bei H5P für die Aufbereitung von Selbstlernmaterialien ganz generell und für Lernvideos im Besonderen sehen, möchten wir uns in diesem Beitrag dem Thema „Interaktive Videos“ widmen.

Interaktive Videos

Welche didaktischen Potentiale stehen dahinter? Was gibt’s bei der Erstellung mit H5P zu beachten?

H5P-Inhaltstyp „Interactive Video“ (Quelle: https://h5p.org/content-types-and-applications)

Was ist H5P? Und was ist mit „interaktiv“ gemeint?

H5P ist ein webbasiertes Open Source Tool, mit dem recht einfach und ohne spezielle Technikkenntnisse interaktive Lernmaterialien erstellt werden können. Die Inhalte werden responsiv dargestellt, d.h. passen sich jeder Bildschirmgröße an, und beruhen auf dem Technikstandard HTML 5.

Mit interaktivem Lernmaterial ist gemeint, dass Studierende Lerninhalte nicht „nur“ in Form eines Textes lesen oder sich in einem Video anschauen können, sondern darüber hinaus mit den Inhalten aktiv tätig werden. Dies kann geschehen durch Buttons, die z.B. für weitere Detailinhalte angeklickt werden können, durch die Beantwortung von Fragen oder die Erledigung von (spielerischen) Aufgaben.

Zur Erstellung der Materialien stehen verschiedene Inhaltstypen zur Verfügung. Das Repertoire wird stetig durch die Community bzw. das norwegische Unternehmen „Joubel“ erweitert.

Am besten einfach mal selbst die Beispiele der H5P-Inhaltstypen anschauen und ausprobieren!

Beispiele aller H5P-Inhaltstypen (h5p.org/content-types-and-applications)

Beispiel: Interaktives Lernvideo zu Wurzelgleichungen

Von der Hochschule Ruhr West (Quelle: https://interaktive-lernvideos.de/mathe-1/gleichungen-und-ungleichungen/wurzelgleichungen-2/)

Welche Potentiale für die Lehre können interaktive Videos bieten?

Individuelle Lernwege ermöglichen:

  • Mithilfe von Bookmarks im Video können Lernende gezielt in die Videoteile „reinspringen“, die aus ihrer Sicht für sie notwendig oder von Interesse sind.
  • Durch Overlay-Einblendungen oder Buttons kann auf weiterführende Informationen oder interessante Quellen hingewiesen werden, denen Studierende bei Interesse nachgehen können (siehe auch Videobeispiel „Smoothie“ auf h5p.org).
  • Ganze Lernpfade können abgebildet werden. Es muss nicht ein ganzes Video durchgeschaut werden. Mithilfe einer im Video eingebetteten Navigation und z.B. anhand der Ergebnisse von eingebauten Testfragen werden die Studierenden zu den Videoteilen gelotst, die sie jeweils benötigen bzw. selbst auswählen. So ist ein individuelles Lernangebot möglich (siehe obiges Beispiel zu Wurzelgleichungen) oder auch das Durchlaufen von Fallbeispielen, bei denen die Studierenden an bestimmten Stellen Entscheidungen treffen müssen und somit den weiteren Verlauf bestimmen.

Bestehende Videos ergänzen/ aktualisieren:

  • Eigene ältere Videos, bei denen sich vereinzelte Inhalte verändert haben, können z.B. durch Einblendungen aktualisiert und somit weiter verwendet werden, ohne einen Neuschnitt vornehmen zu müssen.
  • Videos von Anderen, die thematisch für die eigene Lehre gut passen, können ebenso durch Einblendungen inhaltlich angepasst/ ergänzt oder durch Fragen angereichert und somit weiter verwendet werden ohne selbst ein eigenes Video produzieren zu müssen. (Beachten Sie dabei, nur Videos zu verwenden, die beispielsweise als Open Educational Resource (OER) unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht wurden oder für die Sie sich eine Erlaubnis zur Bearbeitung und Weiterverwendung eingeholt haben).

Der „Illusion des Verstehens“ entgegenwirken und auf einzelne Inhalte fokussieren:

  • Beim alleinigen Konsumieren eines Videos kann schnell der Eindruck entstehen, alles gut verstanden zu haben. Anhand eingeschobener Testfragen und kleiner Aufgaben können die Studierenden für sich selbst überprüfen, ob dem wirklich so ist. Die aktive Verarbeitung des Gesehenen wird angeregt. Beispiel aus einem Schwedisch-Kurs an der TU Darmstadt: Sprachverstehen von Karin Pertoft.
  • Ebenso kann den Studierenden anhand der integrierten Testfragen und Aufgaben deutlich gemacht werden, was wichtig ist aus dem Video „mitzunehmen“.

Als Lernvideo-Einheiten für Flipped Classroom:

Bei einem Lehr-Lernsetting, das nach dem Flipped Classroom Prinzip aufgebaut ist, empfiehlt es sich den Studierenden zur inhaltlichen Vorbereitung auf die Präsenzsitzungen sowohl gut aufbereitete Lernmaterialien zur Verfügung zu stellen als auch Möglichkeiten zur Verarbeitung des Erlernten und Selbstüberprüfung anzubieten.

In einem interaktiven Video lässt sich die Wissensvermittlung, -verarbeitung und -überprüfung direkt miteinander kombinieren, so dass damit eine „in sich runde“ Lerneinheit erstellt werden kann.

Was gibt’s bei der Erstellung interaktiver Videos mit H5P zu beachten?

H5P-Materialien können innerhalb eines kostenfreien Accounts auf h5p.org erstellt werden.

Konkret für die Erstellung interaktiver Videos sind folgende – teils TU-spezifische – Gegebenheiten zu beachten:

  • Bei der Erstellung eines „Interactive Video“ laden Sie entweder das Basisvideo hoch, das Sie interaktiv gestalten wollen, oder Sie geben eine URL zu diesem an (siehe Step 4 & 5 im H5P-Tutorial für Interactive Videos).
    • Beim Hochladen eines Videos auf h5p.org besteht aktuell ein Uploadlimit von 16 MB.
    • Bei der URL-Angabe ist bei Videos, die auf dem TU-internen Medienserver Helios abgelegt sind, zu beachten, dass diese im „public“-Bereich auf Helios liegen. Oftmals werden Videos im „moodleload“-Bereich auf Helios abgelegt, um sie TU-ID-geschützt innerhalb eines Moodle-Kurses zu verlinken. Dieser Zugriffsschutz im „moodleload“-Bereich führt aber dazu, dass H5P auf diese Resource nicht zugreifen kann und damit die Erstellung eines Interactive Video auf h5p.org nicht möglich ist. Der „public“-Bereich ist für nicht-zugriffsgeschützte Materialien, die auf der Website der TU eingebettet werden sollen, er lässt sich aber auch für das Bereitstellen von Videos für h5p nutzen.
  • Wenn Sie Videos von Anderen nutzen, so prüfen Sie, ob Sie die Rechte dazu haben dieses weiter zu bearbeiten und weiter zu verwenden. Checken Sie, ob es bspw. als Open Educational Resource (OER) bestenfalls unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht wurde. Oder nehmen Sie Kontakt mit den Urhebern auf und holen Sie sich die Erlaubnis zur Bearbeitung und Weiterverwendung/ Bereitstellung ein. Vergessen Sie nicht die Urheberrechtsangaben unter „Edit Copyright“ zu hinterlegen (siehe Step 5 im H5P-Tutorial für Interactive Videos).
  • Materialien, die auf h5p.org liegen, sind prinzipiell „öffentlich“ auffindbar sofern die konkrete URL zum jeweiligen Material bekannt ist oder die entsprechenden Begriffe in einer Suchmaschine eingegeben werden (siehe Tipp am Ende dieses Beitrags).

Um die auf h5p.org erstellten Materialien in den eigenen Moodle-Kurs zu integrieren, können diese entweder verlinkt oder eingebettet werden.

Die Verlinkung kann bspw. mit dem Moodle-Material „Link/URL“ erstellt werden. Für die Einbettung werden die Materialien „Textfeld“ (zur direkten Anzeige auf der Kursseite) oder „Textseite“ (zur Anzeige auf einer Unterseite) ausgewählt. Im Texteditor der jeweiligen Materialien wird auf „HTML“ -Modus umgestellt und der Einbettungscode des H5P-Materials eingefügt.

1: im Texteditor erweitertes Menü aufklappen; 2: auf HTML umschalten; 3: Einbettungscode einfügen (hier von einem youtube-Video → ist gleiches Prinzip bei H5P-Material)

Als Alternative zur Erstellung der Materialien auf h5p.org und danach die Verlinkung/ Einbettung dieser in den Moodle-Kurs gibt es ein H5P-Plugin für Moodle. Dieses ermöglicht die direkte Erstellung des Materials im Moodle-Kurs. Es wird dabei als eigene Moodle-Aktivität angelegt. Im Moodle-System der TU Darmstadt ist das Plugin aktuell nicht aktiviert.

Wo gibt es weitere Infos zu H5P und zu interaktiven Videos?

Interactive Video (Quelle: https://h5p.org/content-types-and-applications)

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6 thoughts on “Interaktive Videos mit H5P erstellen

  • Oliver Tacke

    H5P-Materialien können innerhalb eines kostenfreien Accounts auf h5p.org erstellt werden.
    Die Site h5p.org ist zum Testen gedacht, nicht für den Produktiveinsatz. Bitte nutzt eure Moodle-Instanz.

    • Anne Bieberstein

      Hallo Oliver,

      danke für den Hinweis.

      Kurze Rückfrage:
      Warum ist h5p.org nur zum Testen gedacht? Kann man damit rechnen, dass erstellter Content einfach verschwindet? Ansonsten sehen wir das natürlich auch nicht als optimale Lösung. Allerdings wollen wir H5P für den Lehreinsatz bewerben und sehen aktuell als Übergang auch kein Problem darin, dass sich Leute auf h5p.org Content erstellen (aktuell wird so oder so eher noch viel ausprobiert).

      Bezüglich der Nutzung unserer Moodle-Instanz:

      Bisher haben wir das H5P-Plugin nicht für unser Moodle installiert und planen dies erst, sobald die für Moodle 3.8 angekündigte Integration vom Headquarter durchgeführt wurde. Wie auch im HU-Forum im März (https://moodle.hu-berlin.de/mod/forum/discuss.php?d=289426#p773650) geschildert, ist das Hauptproblem die bisher fehlende Möglichkeit, Inhaltstypen und Bibliotheken wieder sauber aus Moodle entfernen zu können.

      Argumente, warum die fehlende saubere Löschmöglichkeit kritisch ist:
      • Schadhafter Code o.ä. kann nicht einfach aus dem System entfernt werden
      • Konflikte mit anderen benötigten Bibliotheken oder JavaScripts
      • Dateien verwaisen und werden nicht gelöscht („Datenmüll“)
      • Mögliche Probleme durch intransparente Abhängigkeiten bei Updates

      Dazu gibt es auch schon seit 2018 einen issue:
      https://h5ptechnology.atlassian.net/browse/HFP-2168

      Sprich, aktuell ist für uns der gangbare Weg um H5P nutzen zu können, dass die Materialien auf h5p.org erstellt werden und dann in Moodle eingebettet werden.

      • Oliver Tacke

        Hi, Anne!

        Gegenfrage ;-) Warum sollte die Firma Joubel, die das Kernteam von H5P stellt, Abertausende von Inhalten kostenlos für Schulen und Hochschulen hosten? Ist keine Stiftung, keine staatlich finanzierte Einrichtung oder Ähnliches. Anders als Unternehmen wie Google, die ja auch „kostenlos“ YouTube, GoogleDrive & Co zur Verfügung stellen, sammelt Joubel keine Daten über NutzerInnen, um damit Geld zu verdienen. Joubel bezahlt aber ordentlich Serverplatz und -leistung für h5p.org, und da gibt’s schlicht betriebswirtschaftliche Grenzen. Ich habe dazu vor einer Weile auch einen Blogbeitrag geschrieben. Hintergründe und Details gab es aber auch im November 2018 auch von Joubel. Wer H5P nutzen will, kann sich ja eines der kostenlosen PlugIns bedienen oder auch auf h5p.com zurückgreifen.

        Und nein, wie du dem Status Update von Joubel entnehmen kannst, werden Inhalte nicht gelöscht, aber sie werden irgendwann nicht mehr anderswo eingebettet werden können, wenn es einfach zu viel wird. Bloß Testen ist völlig okay, aber da den meisten das egal zu sein scheint und dann die Logik der Allmende greift, ist die Wiese irgendwann abgegrast.

        Ich kenne das Problem um die Bibliotheken in moodle, aber die Existenz eines Tickets heißt noch lange nicht, dass das Problem bald aus der Welt geschafft wird. Ich könnte auch ganz kess fragen: Wenn so viele Hochschulen gerne H5P benutzen und das Problem mit den Bibliotheken aus der Welt geschafft haben wollen, warum nehmen sie nicht (zusammen) Geld in die Hand und bezahlen jemanden für die Implementierung? H5P ist schließlich Open-Source-Software; geht problemlos.

        Ich kann eure Argumente vollkommen nachvollziehen, und ich kann nachvollziehen, dass das Nutzen von h5p.org samt Einbettung für euch ein gangbarer Weg ist. Ich tue mich aber schwer Verständnis für eine Haltung aufzubringen, bei der Ressourcen Anderer jenseits des vorgesehenen Zwecks (auf)gebraucht werden, nur weil es geht und damit die eigenen Probleme gelöst werden.

        • Christian Hoppe

          Lieber Oliver,

          vielen Dank für die ausführliche Darstellung. Prinzipiell geben wir Dir natürlich Recht, was das geschilderte Grundproblem angeht. Die in Deinem Blogbeitrag (https://h5p.org/blog/november-2018-status-update) erwähnte eventuelle unklare Kommunikation hinsichtlich der Verwendung von h5p.org hat wohl aber auch bei uns dazu geführt, dass wir h5p.org bisher für den produktiven Einsatz geeignet hielten.

          Wie Anne ja bereits erwähnte, befinden wir uns als Arbeitsgruppe noch in der Bekanntmachungsphase und unsere Lehrenden an der TU Darmstadt aktuell entsprechend noch im Ausprobierstadium. Wenn wir hier besser abschätzen können auf welches Interesse h5p stößt und die erwähnten technischen Details gelöst sind, werden wir natürlich die Integration in moodle angehen. Bis dahin werden wir in Workshops etc. darauf hinweisen, dass h5p.org vorwiegend nur zum Ausprobieren gedacht ist. Vielleicht ist auch ein noch eindeutigerer Hinweis auf der h5p.org-Seite sinnvoll und in eurem Interesse.

          • Oliver Tacke

            Hiho!

            Das mit der „eventuell unklaren Kommunikation“ ist bloß freundlich ;-)

            Über jedem Inhalt, den man auf h5p.org erstellt, steht „H5P.org provides a free service for trying out H5P before installing it on your own site or signing up for H5P.com.“ mit „trying out“ in Fettschrift, und nicht erst seit neulich. Leider interessiert das die Massen nicht und würde es vermutlich auch nicht, selbst wenn man durch ein Popup und drei Ich-habe-verstanden-Buttons darauf hinwiese.

            Und ob das in meinem Interesse ist, ist eine ganz andere Frage. Ich arbeite nicht für Joubel :-)

            Ciao
            Olli