3. Hochschulweiter Workshop „Digitale Lehre“


Wir als Hochschullehrende müssen uns aufgrund der zunehmenden Digitalisierung verändern – wie wir das tun, bleibt jedem selbst überlassen.“
(Prof. Dr. Heribert Nacken, RWTH Aachen)

Am Dienstag, den 04. Juni 2019 fand an der TU Darmstadt der nunmehr dritte hochschulweite Workshop „Digitale Lehre“ statt. Insgesamt 60 Lehrende und Studierende tauschten an diesem Tag Erfahrungen und Ideen rund um die Zukunft der digitalen Lehre an der TU Darmstadt aus.

Dabei startete der Tag nach einer Begrüßung durch den Vizepräsidenten Prof. Dr. Ralph Bruder mit einem Vortrag von Prof. Dr. Evelyn Korn von der Philipps-Universität in Marburg zum hessenweiten Projekt „Digitales Lehren und Lernen in Hessen“.

Das Projekt, an dem alle hessischen (Fach-)Hochschulen beteiligt sind, hat ein Volumen von 10 Mio. EUR und soll in den nächsten zwei Jahren durch verschiedene Innovationsforen Synergien zwischen den Hochschulen stärken und gleichzeitig Qualitätsentwicklung durch Wettbewerb schaffen. Die TU Darmstadt ist bei den Innovationsforen „Didaktische Konzepte“ und „(Trusted) Learning Analytics“ beteiligt.

Impulse aus der digitalen Lehrpraxis

Weiterer zentraler Programmpunkt am Vormittag war das sogenannte „Forum Digitale Lehre“. Dies beinhaltete, dass sich die Teilnehmer/innen an fünf Thementischen zu Aktivitäten von Lehrenden an der TU informieren und gemeinsam Fragen und Ideen diskutieren konnten. Dabei ging es um folgende Themen:

Keynote zu Blended Learning von Prof. Nacken (RWTH Aachen)
Keynote zu Blended Learning von Prof. Nacken (RWTH Aachen)

Nach den intensiven Gesprächen an den fünf Thementischen brachte ein Vortrag von Prof. Dr. Heribert Nacken frische Impulse aus dem Rheinland. Der Rektoratsbeauftragte der RWTH Aachen plädierte leidenschaftlich für einen deutlichen Wandel der Lehrkultur hin zu mehr Digitalität – konsequent und doch individuell auf den Lehrstil angepasst. Er berichtete von sehr positiven Erfahrungen mit dem Exploratory Teaching Space (ETS) in Aachen, mit dem Lehrende die Möglichkeit haben, mit einem Budget von 30.000 EUR ein Jahr lang Neues auszuprobieren und danach Anderen davon zu berichten. Eine Liste der bisherigen Projekte gibt es auf dieser Website. Sein Engagement für das Thema (er ist u.a. Mitglied im Netzwerk für die Hochschullehre des Hochschulforums Digitalisierung) war ihm während des Vortrags deutlich anzumerken und auch Fragen und Diskussionen nahm er sehr interessiert entgegen. Seine Präsentation (unter CC-BY Lizenz) ist online verfügbar:

Inspiration durch studentische Ideen

Studentischer Impulsvortrag von Maximilian Stasica
Studentischer Impulsvortrag von Maximilian Stasica

Der Nachmittag war ganz den Studierenden vorbehalten. Eingeleitet durch einen Kurz-Input von Maximilian Stasica mit anschließender Diskussion zum Thema „Digitales Lehren und Lernen aus studentischer Sicht“ wurden im Anschluss vier studentische Ideen zum Einsatz digitaler Medien vorgestellt. Diese wurden vorher im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Inspire Us“ eingereicht, der von der Carlo und Karin Giersch Stiftung mit insgesamt 5.000 EUR gefördert wird.

Pierre Clos startete mit seiner Idee des „Study Assistant“: Eine App soll Struktur in den Studentenalltag bringen („ihm in den A… treten“) und zum Lernen motivieren. Durch das Zusammentragen von Informationen aus verschiedenen Systemen (Vorlesungsplan aus TUCaN, eigener Kalender) und bestimmten Zeitbudgets, die festgelegt werden, motiviert die App zum Lernen und kontrolliert, ob auch genügend Zeit fürs Lernen aufgewendet wurde. Per Statistik kann dann die eigene Lernleistung analysiert werden.

Danach stellte Felix Hild seine Idee einer „Digitalen Bibliothek“ vor: Verschiedenste Bildungsinstitutionen stellen öffentlich Materialien bereit. Diese zu finden, sei aber nicht immer einfach. Auf einer digitalen Plattform sollen alle frei verfügbaren Materialien gesammelt werden (durch ein programmiertes Skript, welches permanent Informationen von bereits existierenden Plattformen ausliest). Innerhalb der Digitalen Bibliothek soll es dann möglich sein, verschiedene Themen abzuarbeiten und sich innerhalb der Themen in Details einzuarbeiten – mithilfe frei zugänglicher Materialien.

Die Idee „DrawStatics“ von Bastian Nispel entstand durch Erfahrungen im Fach Tragwerkslehre/Statik und umfasst die Entwicklung einer interaktiven Lernapp mit optionaler Ergänzung in Hinsicht auf die spielerischen Aspekte (Challenges / Community). Kern der Applikation ist es, den Lernenden auf spielerische Weise eine deutlich effizientere Lösungssystematik zu zeigen mit dessen Hilfe sie die inneren Kräfte statischer Systeme schnell und geschickt bestimmen können.

Die vierte Idee, der „Study Administrator“, wurde von Christopher Weiß und Lea Brucks präsentiert: Die beiden Studierenden aus dem Studiengang Psychologie stellten die Idee einer Sammlung von aktuellen Studien am Fachbereich Psychologie auf einer digitalen Plattform vor, auf der man sich registrieren kann (da es 30 Pflicht-Versuchspersonenstunden im Fach gibt) und auch die Dokumentation seiner Versuchspersonenstunden jederzeit verfügbar hat. Damit würde auch der aktuelle „gelbe Zettel“ wegfallen, auf dem bisher die Dokumentation der VPS stattfindet.

Vizepräsident Prof. Dr. Ralph Bruder überreichte anschließend allen Studierenden, die ihre Idee präsentierten, ein kleines Geschenk als Dank für ihren Mut und ihr Engagement für digitale Lehre.

The winner is …

Zum Abschluss des Tages wurde in einer Zettelwahl die Idee „Study Administrator“ als Sieger gewählt und mit einem Preisgeld von 2.500 EUR prämiert. Den zweiten Platz teilen sich „DrawStatics“ und die „Digitale Bibliothek“ mit jeweils 1.250 EUR.
Vielen Dank an dieser Stelle im Namen der gesamten E-Learning Arbeitsgruppe an die Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt für die Bereitstellung des Preisgeldes!

Ein rundum gelungener Tag

Ein rundum gelungener Tag, mit viel Platz für Austausch, Ideenfindung und Netzwerkbildung ging zu Ende. Der Austausch zwischen Hochschulen, Lehrenden aber auch im Dialog mit Studierenden, wie künftig gute (digitale) Lehre stattfinden kann, ist – so das Resumée des Vizepräsidenten – ein wichtiger Faktor für die Zukunft digitaler Lehre.

Wir freuen uns bereits jetzt auf die nächste Veranstaltung. Vielen Dank an alle Lehrenden, die an Thementischen ihren Beitrag zu digitaler Lehre vorgestellt haben, an die Studierenden für ihre interessanten Ideen sowie an alle Teilnehmer/innen!

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