Interkulturelle Kompetenzentwicklung mal anders – MINT Studierende arbeiten virtuell zusammen


Gastbeitrag von Alexandra Stang (Sprachenzentrum, Zentrum für Interkulturelle Kompetenz).

 

Interkulturelle Kompetenz wird heute von Arbeitgebern nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Internationalisierung in vielen MINT Berufen implizit vorausgesetzt. Die Inhalte dessen, was jedoch darunter zu verstehen ist, bleiben vielfach vage und der konkrete Praxisbezug unklar.

Vor diesem Hintergrund wurde am Sprachenzentrum und Zentrum für Interkulturelle Kompetenz (ZIKK) der TU Darmstadt im Wintersemester 2017/18 ein projektbasiertes Fallstudienseminar mit 2 Semesterwochenstunden und 3 ECTS durch die Lehrbeauftragte und Interkulturelle Trainerin Alexandra Stang in Kooperation mit einem international erfahrenen Management-Vertreter aus dem Automobilzuliefererbereich erprobt. Das Seminar wurde im Rahmen eines Blended-Learning-Ansatzes mit Video-Aufzeichnungen zum Thema Interkulturelle Kommunikation und virtuell mit standortübergreifenden Live-Sitzungen über das Virtual Classroom (Adobe Connect) begleitet und ergänzt.

 

Interkulturelle und virtuelle Zusammenarbeit erfahrbar machen ist wesentliche Zielsetzung

 

Vorbereitung der virtuellen Live-Zusammenarbeit – (c) Alexandra Stang

Deutsche und internationale Studierende ingenieurswissenschaftlicher Studiengänge wurden mit einem Fallstudien-Beispiel aus der interkulturellen Praxis konfrontiert, das sie gemeinsam bearbeiten mussten. Gegen Semesterende stellten die Studierenden im Rahmen einer Blockveranstaltung ihre Ergebnisse vor. Da immer mehr Teams heute in virtuellen Settings arbeiten, die durch Unsicherheit geprägt sind, war es den Veranstaltern ein Anliegen, die Herausforderungen und Potenziale virtueller Zusammenarbeit in heterogenen Gruppen nicht nur theoretisch zu thematisieren sondern auch praktisch ‚erfahrbar‘ zu machen. Dies erfolgte unter Einsatz entsprechender Medientechnologien, um eine erste Vertrautheit zu erlangen, und wurde ergänzt durch eine Reflexion im Nachgang.

 

 

 

Virtuelles begleitendendes Coaching durch einen Vertreter aus der Praxis während der Fallstudienbearbeitung

 

Screenshot aus der gemeinsamen standortübergreifenden Online Sitzung – (c) Alexandra Stang

Das virtuelle Klassenzimmer ermöglichte den Studierenden eine direkte Live-Online-Zusammenarbeit und -Kommunikation zur Beantwortung offener Fragen in Echtzeit, die sich aus der Fallstudienbearbeitung ergeben hatten. Das vom Deutschen Forschungsnetz (DFN) angebotene Konferenztool Adobe Connect fördert die visuelle Kommunikation mittels Webcam. Zudem wurden eine Vielzahl weiterer Funktionen für eine virtuelle Zusammenarbeit (Kollaboration) genutzt. Dazu gehörten: ein Online Vortrag, aber auch  gemeinsame Live-Präsentationen, die unter Nutzung des Whiteboards oder Application-Sharing zur Veranschaulichung gezeigt wurden. Neben dem fachlichen Austausch stand auch die Erarbeitung gemeinsamer Ergebnisse im Fokus. Im Verhältnis zu der asynchronen Lernumgebung auf Moodle wurde der Einsatz von Adobe Connect als ein synchrones und bidirektionales Kommunikationstool von allen Beteiligten hervorgehoben, das für das Seminar eine geeignete Ergänzung und Bereicherung dargestellt hat.

 

Lessons Learned

Das Zustandekommen einer erfolgreichen standortübergreifenden Webkonferenz ist maßgeblich von der Technik und der unterbrechungsfreien Übertragung von Bild, Text und Ton abhängig. Für die teilnehmenden Studierenden waren dieser erfahrungsbasierte Lehr- und Lernansatz und die daraus gewonnenen Kenntnisse neu. Einige Studierende waren zu Beginn mit der Komplexität überfordert, die eine solche Projektarbeit beinhaltet, da sie bisher in ihrem Studium mit einem solchen Ansatz noch nicht konfrontiert wurden. Sie mussten lernen, diesen Ansatz in den Kontext des Projektseminars einzuordnen. Im Nachgang der Online-Veranstaltungen ist es aus Sicht aller Beteiligten hilfreich gewesen, die Funktion und den Einsatz einer solchen Medientechnologie zu reflektieren bzw. zu kontextualisieren, um Missverständnisse auszuräumen, die durch virtuelle Zusammenarbeit entstehen können.

Da nicht automatisch davon ausgegangen werden kann, dass die Zielgruppen mit der entsprechenden Technologie und ihrer Anwendung bereits vertraut sind, sollte dies in der Semesterplanung hinreichend berücksichtigt werden, um die Studierenden bzw. beteiligte Partner im Umgang mit dem Virtual Classroom zu schulen.

Aus Sicht der verantwortlichen Lehrkraft und dem Feedback durch die Studierenden ist eine methodische und didaktische Vorbereitung der Live-Sitzungen im zeitlichen Rahmen der Gesamtveranstaltung absolut notwendig. Erfahrung in der Moderation von solchen Online-Sitzungen und die Fähigkeit, diverse Redebeiträge koordinieren zu können, zählt für eine erfolgreiche Umsetzung zu den unabdingbaren Kompetenzen, um den ablaufenden virtuellen Prozess der Zusammenarbeit zielorientiert begleiten und unterstützen zu können.

 

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