Pilotprojekt: Digitalisierung von Stift und Papier – Freihandzeichnen als virtuelle Lehrveranstaltung


Gastbeitrag von ProfDr. Rolf Schäfer.

Das im Folgenden beschriebene Projekt konnte durch das Förderprogramm „Studentische E-Learning Experten“ unterstützt werden. Dieses wiederum ist Teil des hessenweiten Projekts „digLL-Digital als Teil des Projektes gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“.

Ausgangslage

Die Lehrveranstaltung Freihandzeichnen wird im Masterstudiengang Bauingenieurwesen angeboten und besteht aus einem wöchentlichen Vorlesungs- und Übungsteil. In den Übungen wird den teilnehmenden Studierenden Schritt für Schritt das Handwerkszeug für das freie Zeichnen mit Bleistift und anderen Zeichenmedien vermittelt. Die Übungen erfolgen in der Regel im Freien und falls die Witterung dies nicht zulässt, auch in den Räumlichkeiten der Universität.
Seit dem Pandemiebeginn 2020 hat sich das Uni-Leben grundlegend verändert. Präsenzunterricht war bis vor kurzem kaum mehr möglich und alle Module mussten digitalisiert in das Internet verlagert werden. Diese Umstellung konnte aufgrund der besonderen Anforderungen der Lehrveranstaltung Freihandzeichnen (individuelle Betreuung, Freiluftmotive, analoge Zeichenmedien) und aufgrund des musischen Modulcharakters bislang nicht ohne Weiteres umgesetzt werden. Daher musste seit dem Sommersemester 2020 das am Fachbereich für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften etablierte Modul erstmalig aus dem Lehrveranstaltungsangebot entnommen werden.
Um den Studierenden die Teilnahme an dem Modul wieder zu ermöglichen und dieses weltweit digital aufzustellen, wird nun nach innovativen Mitteln und Wegen gesucht, die eine Digitalisierung der Lehrveranstaltung ermöglichen und die den oben genannten Anforderungen gerecht werden. Es stellt sich also die Frage, ob es möglich ist, eine geeignete digitale Alternative zu finden, die es schafft, genauso wie in einer Präsenzveranstaltung das Zusammenspiel von Auge, Gehirn und Handkoordination zu trainieren und zu fördern.

Zielsetzung

In diesem Projekt werden die nachfolgenden drei Hauptziele verfolgt:

  1. Übertragung der Lehrveranstaltungsinhalte in ein digitales Format
  2. Globale Bereitstellung des Kurses Freihandzeichnen (Internationalisierung)
  3. Vorteile digitaler Formate nutzen (z.B. Online-Feedback oder Videostreaming)

Methodik

Abb. 1: Schemazeichnung zur Vorgehensweise im Projekt (Quelle: Verfasser)

Konzeptvorstellung

Konzeptauswahl

Um das Ergebnis der Konzeptauswahl zu verdeutlichen, werden die Vorteile von Discord gegenüber Moodle an dieser Stelle näher erläutert. Discord verfügt über deutlich mehr Kommunikationsmöglichkeiten als Moodle. Es bietet neben der normalen Chatfunktion auch einen Sprachchat, der entweder für private Gespräche oder für Gruppenanrufe genutzt werden kann. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, den Bildschirm zu teilen oder Videoanrufe zu tätigen. Ein weiterer positiver Aspekt ist die bessere Benutzerfreundlichkeit von Discord. Es bietet ein schlichtes, modernes Design, das ein dunkles oder helles Erscheinungsbild zulässt. Die Bedienung ist intuitiv und einfach. Verfügbar ist Discord nicht nur als Webanwendung, sondern auch als Client oder als App. Auch als Administrator eines Servers bestehen verschiedenste Einstellungsmöglichkeiten. Es können einzelne Text- und Sprachchannels eingerichtet und Berechtigungen für verschiedene Benutzergruppen eingestellt werden. Des Weiteren sind die Kommunikationshürden kleiner und die gesamte Plattform wirkt weniger formell als Moodle.

Abb. 3: Auswahl eines für die Lehrveranstaltung Freihandzeichnen geeigneten Konzeptes (Quelle: Verfasser)

Vorzugskonzept

Abb. 4: Vorstellung der Struktur und der wichtigsten Elemente des Kurses Freihandzeichnen auf Discord (Quelle: Verfasser)

Validierung

An diesem Projekt waren zwei studentische Hilfskräfte, John und Moritz, maßgeblich beteiligt. Beide studentischen Hilfskräfte konnten eine Vielzahl wichtiger Erfahrungen im Bereich Freihandzeichnen sowie digitaler Lernkonzepte und Plattformen sammeln. Diese Erfahrungen sollten mit Hilfe eines kurzen Experten-Interviews abgefragt werden, um zu analysieren, inwiefern das digitale Konzept zur Umsetzung des Kurses Freihandzeichnen geeignet ist. Zudem wurden eine Vielzahl an Studierende unterschiedlicher Studienrichtungen in das Projekt involviert, um das Vorzugskonzept im Rahmen einer Präsentation kennenzulernen. Die dabei gesammelten Eindrücke sind anhand von studentischen Interviews abgefragt worden, um zu analysieren, wie vielversprechend das entwickelte Konzept ist, um Freihandzeichnen digital anzubieten. Auf Basis der Experten- und Studenten-Interviews erfolgte eine wissenschaftliche Auswertung mit Fazit.

Abb. 5: Interviews mit Studierenden zum Discord-Kurs Freihandzeichnen (Quelle: Verfasser)

Zusammenfassung & Ausblick

Es hat sich gezeigt, dass Discord eine sehr gute Möglichkeit darstellt den Studierenden ein angenehmes Lernumfeld zu bieten, da es von den Funktionen sehr umfänglich und zugleich sehr benutzerfreundlich gestaltet ist. Gerade die kurzen kommunikativen Wege zwischen Studierenden und Lehrenden sind der größte Pluspunkt von Discord. Perfekt ist Discord aber auch nicht, deshalb muss an der einen oder anderen Stelle auch auf Moodle zurückgegriffen werden. Beispielsweise für termingebundene Dateiuploads. Es ist schwer im Vorfeld ein perfektes digitales Umfeld zu schaffen, da mögliche Probleme erst bei der tatsächlichen Nutzung auftreten können, die vorher im Rahmen unserer Möglichkeiten nicht simulierbar waren. Ein weiterer Punkt ist, dass der musische Charakter der Veranstaltung unter Umständen in der digitalen Welt von Discord verloren geht. Zusammenfassend wäre ein Mix aus Moodle und Discord wahrscheinlich die beste Wahl, da man die jeweiligen Vorteile nutzen kann und die beiden Plattformen sich ergänzen würden. Da das Projekt zum Beginn des Sommersemesters 2022 noch nicht abgeschlossen war, kann die Plattform voraussichtlich erst ab dem Sommersemester 2023 in der Lehrveranstaltung Freihandzeichnen integriert werden.

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