Workshop Digitale Lehre an der TU: Gemeinsam in die Zukunft blicken


(c) E-Learning Arbeitsgruppe

(c) E-Learning Arbeitsgruppe

Am Mittwoch, den 09. November 2016 fand an der TU Darmstadt der erste hochschulweite Workshop „Digitale Lehre“ statt. Insgesamt 70 Lehrende und Studierende tauschten an diesem Tag Erfahrungen und Ideen rund um die Zukunft der digitalen Lehre an der TU Darmstadt aus.

Nach einer Begrüßung und einem Impuls zur strategischen Ausrichtung der TU durch den Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Prof. Ralph Bruder gab es einen Überblick über den aktuellen Stand der digitalen Lehre an deutschen Hochschulen sowie die studentische Nutzung digitaler Tools für das eigene Studium von Christian Hoppe (E-Learning Arbeitsgruppe). Anschließend waren die Teilnehmer/innen aufgerufen, Fragen und Meinungen zur aktuellen und zukünftigen Entwicklung digitaler Lehre an der TU Darmstadt zu diskutieren.

Dabei wurden unter anderem die folgenden Fragen diskutiert:

  • Wie können Herausforderungen in großen Erstsemesterveranstaltungen gemeistert werden (da diese für den weiteren Studienverlauf entscheidend sind, oft aber die Präsenz an der TU nicht besonders hoch ist)?
  • Wie kann eine stärkere Verbreitung etablierter E-Learning Angebote, gerade bei bisher nicht aktiven Professor/innen stattfinden und gleichzeitig Anreize und Möglichkeiten zur stetigen Weiterentwicklung bestehender Angebote in Kooperation von Fachbereichen und zentralen Einrichtungen gegeben werden?
  • Wie schafft man es, digitale Elemente einer Veranstaltung so zu kombinieren und zu gestalten, dass die Studierenden einen Mehrwert sehen und das Gesamtkonzept einer Veranstaltung effektiv und effizient ist?
  • Wie können digitale Angebote dazu genutzt werden, Studierende während des Semesters zur Auseinandersetzung mit den Lerninhalten anzuregen, um bereits vor der Klausur Feedback zum eigenen Wissensstand zu erhalten?

 

Impulsvorträge liefern aktuellen Stand aus Sicht von Lehrenden und Studierenden

Während der anschließenden Impulsvorträge hatten Studierende, welche an dem im Sommer 2016 ausgeschriebenen Ideenwettbewerb „Inspire Us“ teilnahmen, in einem parallelen Workshop die Gelegenheit ihre Präsentationen für den Nachmittag vorzubereiten.

Prof. Dr. Joachim Enders aus dem Fachbereich Physik berichtete zum Auftakt von seinen Erfahrungen mit dem Einsatz vom Flipped Classroom für eine Serviceveranstaltung des Fachbereichs Physik. Eine ausführliche Beschreibung seiner Erfahrungen können Sie in dem dazugehörigen Blogbeitrag lesen.

Als zukünftige Entwicklung sieht er als sinnvoll, digitale Angebote in einer Art Online-Lehrbuch zu sammeln, im Sinne eines „enhancedWiki“, welches auch Interaktion (z.B. in Form von Annotationen und Aufgaben) ermöglicht und durch Bewertung weiterentwickelt werden kann. Abschließend stellte er Thesen zur Digitalisierung (flipped classroom und MOOCs) vor. Hierbei verwies er auf die wiederkehrende Erkenntnis, dass Technik und Didaktik Hand in Hand gehen müssen, dass es auf Studierenden- und Lehrendenseite Kompetenz für die digitale Lehre benötigt, und schließlich auch darauf, wie wichtig es an einer Hochschule ist, neben Ressourcen für Beratung und die Bereitstellung von Tools, auch Unterstützung bei der Umsetzung zu bieten (z.B. in Form von Förderprogrammen).

Die Teilnehmer/innen diskutierten anschließend die Frage, ob durch die Verlagerung des Workloads beim Flipped Classroom Konzept, Studierende überfordert werden, bzw. ob die für die Veranstaltung angegebene CP-Anzahl am Ende weiterhin erreicht würde. Hier gelangte man zu dem Fazit, dass in der Regel die CP Punkte eher unterschritten würden und so oftmals die subjektive Belastung der Studierenden nicht dem objektiven Workload entspräche.

 

Dr. Christoph Rensing stellte den aktuellen Stand der Möglichkeiten und auch Herausforderungen von Learning Analytics vor. Anhand einer Beispielveranstaltung am Fachgebiet Multimedia und Communications Lab (KOM)zeigte er auf, dass erhobene Daten (z.B. Zugriffe auf bestimmte Aktivitäten im Rahmen eines Moodlekurses) für verschiedene Zwecke genutzt werden können. Zum einen können Studierende sich in Relation zu den Aktivitäten anderer Studierende setzen und so ein Feedback zu ihren Lernaktivitäten erhalten. Zum anderen können auch Lehrende Feedback über die Nutzung der bereitgestellten Aktivitäten erhalten und so für zukünftige Kurse besser einschätzen, welche Aktivitäten ausgeweitet und welche reduziert werden könnten.

Zukünftig wäre auch denkbar, anhand eines Klassifikators, welcher durch bisherige Daten „lernt“, eine Art Vorhersage zu treffen: Wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Aktivitäten noch nicht bearbeitet habe, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich in der Abschlussprüfung nicht bestehe. Das System oder der Dozent könnte dann den betreffenden Teilnehmer/innen ein Feedback (im Sinne einer Warnung) dazu geben. Allerdings wurde hier angemerkt, dass es durchaus eine wichtige ethische Frage ist, inwieweit man Lernaktivitäten nicht nur beobachten, sondern aktiv in diese eingreifen möchte.

Kritisch wurde insgesamt trotz der vielfältigen Möglichkeiten von Learning Analytics gesehen, dass die erhobenen Daten rein quantitativ sind – z.B. wird nicht erhoben, wie die eine Aktivität genau bearbeitet wird, sondern nur, dass sie überhaupt angeklickt wurde. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass es durchaus auch bereits bestehende Daten gibt, die man z.B. auch auf Modul- oder Studiengangsebene dazu verwendet werden könnten, Prognosen über Studienverläufe zu geben. Von Studierendenseite kam die Frage auf, inwieweit gemessene gute Leistungen von Studierenden dann auch mehr Anerkennung im Sinne eines Anreizsystems bringen würde.

 

Minh Luong (Studierender aus dem Maschinenbau und als studentischer Trainer tätig) stellte anschließend in seinem Vortrag „Smartphones im Studium“ verschiedene Apps vor, die er für die Strukturierung seiner Aufgaben und Veranstaltungen seines Studiums verwendet und als sehr nützlich erachtet. Vorgestellt wurden zum einen Evernote und Trello als Apps zur Organisation von Notizen und Projekten bzw. Aufgaben. Zum anderen Apps die Studium und Alltag auf spielerische Art und Weise verbinden und die Produktivität anregen sollen: Habitica und Forest.

In der anschließenden Diskussion wurde darauf verwiesen, dass es wichtig ist, neben Gamification als Motivator immer auch längerfristig Strategien zu entwickeln, das eigene Lernen zu regulieren. Apps seien aber durchaus geeignet, um überhaupt anzufangen und vor allem den Überblick zu behalten.

 

Prof. Eddie Koenders präsentierte sein Konzept zum Pflichtmodul Werkstoffe im Bauwesen, in dem er sowohl eine Zeitersparnis durch den Einsatz von Scannerklausuren erreicht, als auch den Studierenden durch Online-Hörsaalübungen ein wichtiges Lernangebot liefert.

Es kam im Anschluss auch die Frage auf nach Online-Klausuren, wie sie u.a. an der Uni Mainz eingesetzt würden. Hier sei auf unseren umfangreichen Blogartikel von der GML Konferenz 2015 verwiesen, welcher ausführlich die relevanten Aspekte dieses Themas beleuchtet.

 

Die volle Vielfalt studentischer Ideen an einem Tag

Siegerprojekt: Ask Aloud

Siegerprojekt: Ask Aloud – (c) E-Learning Arbeitsgruppe

Nach der Mittagspause präsentierten dann die 11 studentischen Teams ihre Ideen zu digitaler Lehre an der TU Darmstadt den Teilnehmer/innen der Veranstaltung in jeweils 5-minütigen Pitches. Die vorgestellten Ideen waren Apps, Tools oder Projektvorhaben, mit denen aus ihrer Sicht Lehr- und Studienbedingungen verbessert werden können.

Als erstes präsentierten Minh Khoi Tran und Elisa Roth ihr Projekt „TUCaN Mobile“. Sie stellten vor, wie man die seit kurzem verfügbare TUCaN-App durch zusätzliche Elemente weiterentwickeln könnte. Zum einen durch ein sogenanntes „Lerncenter“ (Erfahrungspool und Tipps zu Klausuren, sowie die Möglichkeit zum LernenLernen) und zum anderen durch „myUniTime“ (eigene Lerntermine zum Stundenplan hinzufügen).

Christopher Klamm stellte anschließend die App „Argotario“ vor, mit der man sein Wissen mit Mitspielern messen kann und der Lernweg sowohl für den Studierenden selbst als auch den Lehrenden transparenter werden kann. Im vorgestellten Beispiel aus der Philosophie ging es darum, Arten von Argumenten einzuordnen und selbst zu formulieren, um somit die eigene Kompetenz des Argumentierens zu stärken.

Das nächste (und am Ende auch siegreiche) Projekt Ask Aloud von Mohit Makhija, Masaud Alhassan und Saeed Ehteshamifar befasste sich mit dem Problem, dass Studierende mit ihren Fragen in großen Hörsälen oft nicht laut genug sprechen können, damit alle Kommilitonen die Frage auch hören. Ein Mikrofon herumzureichen kostet viel Zeit. Dazu ist ihre Idee ein Programm zu entwickeln, welches eine Verbindung zwischen den Smartphones/ Laptops der Studierenden, die diese in der Regel auch im Hörsaal dabei haben, und dem Präsentationsrechner des Dozenten bzw. dem Lautsprechersystem im Hörsaal schafft. Studierende können Ihr Smartphone nutzen, um in dieses ihre Frage hineinzusprechen. Per Freigabe durch den Dozenten, ist diese dann über das Lautsprechersystem im Hörsaal zu hören.

Ein Projekt in der Startphase präsentierten Johannes Schneider, Celine Willeke und Nicolas Schoeneweiß mit „Interaktives Lernen“. Als Ergänzung zur Veranstaltung Technische Mechanik II wollen sie ein Moodle-Angebot erstellen mit entsprechenden Übungsfragen und Lernmaterial.

Luis Rüger Sacco stellte anschließend als Lösung gegen das “Bulemieproblem” von Klausurwissen seine Quiz-App „TUDuell“ vor, welche es Studierenden der TU ermöglichen soll über Quizzes das Wissen aus vorherigen Semestern immer wieder zu beliebigen Zeitpunkten zu wiederholen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Bei den „Mind Mapping Lectures“ von Filip Cengic, Dilara Yildiz und Igor Lakic ging es darum, Studiengänge durch thematische Gemeinsamkeiten vernetzt in einer Mindmap darzustellen, um Studienanfängern sowohl die Vielfalt an Fächern zu zeigen, als auch Orientierung zu bieten und zu weiteren Angeboten z.B. von der Zentralen Studienberatung oder den Fachbereichen zu verweisen.

Mujahid Masood stellte mit „HiLito“ ein Tool vor, mit dem es möglich ist, Texte auf Websites zu markieren und diese Markierungen auch anderen Usern zugänglich zu machen. Damit soll es schneller und leichter werden, die wesentlichen Aussagen von Texten später leicht wiederzufinden.

Das Konzept „TU Darmstadt International & mehrsprachig“ von Christiane Schmickler, Sarah Gorny und Steffen Grimm kombiniert Sprachenlernen mit Angeboten für internationale Studierende, die an die TU kommen. TU-Studierende, die gerade eine Fremdsprache lernen, könnten Aspekte des Uni-Lebens in dieser Sprache vorstellen und somit einerseits ihre neu erlernten Sprachkenntnisse anwenden sowie andererseits Studierenden aus den entsprechenden Ländern vor und während ihres Aufenthaltes an der TU wertvolle Informationen bereitstellen.

Alexander Weis & Sergej Alexeev präsentierten ihre bereits ausgefeilte App „AudioBrain: Aussprache“, die darauf fokussiert, dass beispielsweise ausländische Studierende durch Nachsprechübungen ihre Aussprache auf Deutsch verbessern können. Ebenso ist dies für andere Sprachen denkbar sowie für Inhalte, die auswendig gelernt werden müssen. In diesem Sinne möchten sie ihre App gern weiterentwickeln.

Gruppenbild der studentischen Teams

Gruppenbild der studentischen Teams – (c) E-Learning-Arbeitsgruppe

Nils Dycke & Felix Kosterhorn stellten die App „Cassiopeia“ vor, welche helfen soll, komplexe Texte anhand von Visualisierungen  besser verstehen und memorieren zu können. Mit Hilfe der App lassen sich Markierungen innerhalb eines Textes vornehmen. Anhand der Markierungen wird automatisiert eine Visualisierung, wie beispielsweise eine Mindmap erstellt.

Schließlich stellten per Web-Session live aus Helsinki Max Hofmann und Nadine Schöpper ihre Idee „Study Support“ vor. Sie wollen mit einem umfassenden modularen Wissensangebot die Erreichbarkeit von Lernmaterial und Verständnis verbessern und damit zum Studienerfolg beitragen.

Zum Abschluss überreichte Prof. Ralph Bruder allen studentischen Teilnehmer/innen ein kleines Dankeschön für Ihre Teilnahme und ihr Engagement für die TU Darmstadt.

Fazit: Ein inspirierender und rundum gelungener Tag

Für uns als E-Learning Arbeitsgruppe bot dieser erste hochschulweite Workshop eine tolle Gelegenheit mit vielen interessierten Lehrenden im Gespräch zu bleiben und einen intensiven Austausch mit kreativen und motivierten Studierenden zu betreiben. Dieser spannende Tag ging schnell vorüber und wir bedanken uns nochmal ganz herzlich bei allen Teilnehmer/innen für konstruktive Diskussionen, spannende Ideen und viele wertvolle Gedanken!

Ihre E-Learning Arbeitsgruppe

 

Und zu guter Letzt für alle offen gebliebenen Fragen: Die Giraffe will es einfach nicht! 🙂

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