Eindrücke der MoodleMoot 2012 an der WWU Münster 1


Eine Konferenz ist mehr als die Summe ihrer Einzelvorträge. Vor und nach den Vorträgen, in den Pausen, während der Abendveranstaltung, an der Bushaltestelle, am Bahnhof und sogar im Zug (nicht wahr Oli?) heißt es: Kontakte zu Kollegen knüpfen, auffrischen und intensivieren. Auch wenn es mancher als Smalltalk abtun mag, geht es in den Gesprächen zu großen Teilen um Fachthemen. Und es sind genau diese Gespräche, die einen unschätzbaren Wert und Erkenntnisgewinn auf Konferenzen ausmachen. Die MoodleMoot war auch dieses Jahr wieder ein Paradebeispiel für diesen Erfahrungsaustausch, der durch die im Vergleich zu den meisten anderen Konferenzen familiäreren Atmosphäre stark begünstigt wird: Die Schwelle, mit Kollegen und auch Vortragenden ins Gespräch zu kommen, ist erfreulich gering. Egozentrik oder Allüren sind nicht zu spüren. Über 350 Moodle-Experten nutzten Vorträge, Präsentationen, Diskussionen und viele Fachgespräche zur gegenseitigen Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch. Damit will ich diesen wichtigen Aspekt von Konferenzen betonen, der gerne unterschätzt wird. Die Vorträge, die auch dieses Mal meist wieder gut waren, möchte ich damit nicht abwerten und sie bieten ja auch oft genug Vorlagen für die Gespräche.

Nun aber zum Inhalt: Am Donnerstag und Freitag lief die Hauptkonferenz der diesjährigen MoodleMoot an der WWU Münster (Dienstag/Mittwoch liefen bereits Pre-Konferenz Workshops, z. B. zu Mahara). Eröffnet wurde die Konferenz durch Grußworte von Prof. Dr. Jörg Becker, Prorektor der WWU und Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik. Er hob Münster als „lebenswerteste Stadt der Welt“ hervor, was durch eine offizielle Studie belegt sei. Die WWU sei die drittgrößte Uni Deutschlands (laut Wikipedia viertgrößte mit gut 39.000 Studierenden, bzw. fünftgrößte bei Mitzählung der Fernuni Hagen) und bedient 125 Studienfächer. Bemerkenswert war noch die Feststellung, dass Münster die größte Kirchendichte Deutschlands aufweist (1:3000). Danach folgte die Begrüßung der Tagungsleitung in Person von Herr Prof. Dr. Johannes Bellmann vom Institut für Erziehungswissenschaft.

 

Keynote „Mediengesellschaft 2.0“ (Prof. Neuberger, LMU München)

Die erste Keynote hielt Prof. Dr. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München (übrigens größte Präsenzuni Deutschlands laut Wikipedia mit fast 50.000 Studierenden): „Wie sich die Öffentlichkeit durch das Internet wandelt“. In weiten Strecken bezog er sich auf die ARD/ZDF-Onlinestudie. Seine spannendste Aussage war: „Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie“. Damit bezog er sich darauf, dass der Kampf um die Aufmerksamkeit immer größer wird, was meist zu Lasten von Inhalten geschieht. Soll heißen: Aufmerksamkeit ist die neue Währung. Aufmerksamkeit verspricht Gewinn und zu gewinnen, z. B. bei Wahlen. Er verwies hier auf Symbolpolitik im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie: Wird Sachpolitik durch Symbolpolitik verdrängt? Zur Veranschaulichung der Entwicklung der Mediennutzung griff er auf viele Grafiken und Statistiken zurück, hauptsächlich aus obiger Onlinestudie. Er schilderte die Entwicklung von klassischen Medien zu Mitmach-Medien, was durch die legendären Time-Cover „You“ und „The Protester“ visualisiert wurde. Seine Ausführungen machten – zumindest zwischen den Zeilen – klar, dass die Mediengesellschaft 2.0 nicht so euphorisch gesehen werden kann, wie sie gerne dargestellt wird. Die Beteiligung durch die Bürger ist prozentual gesehen sehr gering und beschränkt sich auf wenige Hauptakteure mit größerer Wahrnehmung. Diese Hauptakteure sind noch dazu in der Regel ausgewiesene Medienjournalisten, wie z. B. Stefan Niggemeier vom Bildblog. Die Breitenwirkung von Otto-Normal-Bloggern bzw. Web2.0-usern kann also durchaus bezweifelt werden, wenn auch es immer wieder vorkommt, dass einzelne Themen und Beiträge dieser von den Massenmedien aufgenommen werden. Genau an dieser Stelle kommen wir zur Rolle der „Gatekeeper“: Nach wie vor spielen die großen Verlage und Medien die Hauptrolle in der Meinungsbildung und beeinflussen durch ihre Filterung von Nachrichten stark die öffentliche Meinung. Hierbei verschiebt sich der Anteil immer mehr von den Offline-Medien hin zu Online-Medien. Der Großteil der Aufmerksamkeit fällt auf wenige Portale, wie z. B. Spiegel Online oder Bild online.

Insgesamt ein inspirierender Vortrag, dem auch ein paar Minuten mehr zur Diskussion gut getan hätten, vor allem weil er zum Reflektieren der deutschen Medienlandschaft und des Ablaufs von Medien-Mechanismen allgemein anregte. Es kann durchaus kritisiert werden, wo dabei nun der Bezug zu Moodle war und Prof. Neuberger hätte vielleicht den Bogen zu Lehren und Lernen spannen sollen. Aber zum einen ist Medienkompetenz und Mediennutzung auch ein Thema beim Einsatz von Moodle und zum anderen schaue ich gerne auch über den Tellerrand hinaus.

 

Keynote „Medienrecht für Pädagogen“ (Eva Maria Herring, WWU Münster),

Der Freitag startete mit der zweiten Keynote „Medienrecht für Pädagogen“, vorgetragen durch Eva Maria Herring von der WWU Münster. Ihre Themenschwerpunkte waren Copyright, Urheberrecht, Privatkopie, Disclaimer und Forenhaftung. Sie zeigte auf, welchen Einschränkungen die Nutzung fremder Materialien unterliegt. In vielen Beispielen führte sie aus, was unzulässig ist und in welchem Rahmen eine Nutzung erlaubt ist, z. B. Zitatrecht (§ 51 UrhG) oder bis zu 10% der Inhalte im Lehrkontext laut §52a UrhG. Auf unseren OLW-Seiten bieten wir übrigens auch einen Überblick zu rechtlichen Hinweisen. Der Vortrag wirkte recht einseitig und vermittelte vielen Zuhörern Unbehagen. Erst die Diskussion zeigte, dass es doch mehr Möglichkeiten für Dozenten und Lehrer gibt, als der Vortrag befürchten ließ. Gewünscht hätte ich mir noch Hinweise zu Creative Commons und Open Educational Resources (OER), wie ich es auch per Twitter geäußert habe. Umso mehr hat mich der Diskussionsbeitrag per Wortmeldung aus dem Plenum gefreut, der genau darauf einging und alle zur Nutzung von OER aufgerufen hat.

Aufzeichnung der Keynotes: Keynote 1 Neuberger und Keynote 2 Herring (als Gast anmelden; Danke an Rena2.0 für den Hinweis per Kommentar!)

Um den Beitrag nicht zu lange werden zu lassen, werde ich nicht auf die einzelnen Vorträge eingehen, an denen ich teilgenommen habe. Diese werden dafür teilweise in den am Beitragsende verlinkten weiteren Berichten und deren Kommentaren geschildert (die ich fortlaufend aktualisiere). Auf einen Punkt möchte ich aber noch eingehen, der mir nicht nur als Organisator selbigens sehr am Herzen liegt: Das Hochschul-Treffen.

 

Hochschul-Treffen: Moodle an Fachhochschulen und Universitäten

Inzwischen ist es auf der MoodleMoot sozusagen schon zu einem festen Programmpunkt geworden: Das Hochschul-Treffen. Besonders in diesem Bereich beschäftigen sich die Akteure Großteils mit denselben Fragen und Problemen Herausforderungen, was die Themen Networking und Community-Building besonders attraktiv macht, um Synergien zu erzielen. Auch hier ist das Thema Erfahrungsaustausch wieder der wichtigste Aspekt. Wie im letzten Jahr in Elmshorn habe ich auch in diesem Jahr wieder die Organisation und Moderation des Treffens übernommen. Die weiter gestiegene Teilnehmerzahl auf ca. 50 hat das hohe Interesse und die Attraktivität des Treffens gezeigt. Ganz großes Thema war natürlich der Umstieg auf Moodle 2 und die damit verbundenen Strategien der verschiedenen Hochschulen (Nicht zuletzt auch durch den auslaufenden Security-Support für 1.9: „Bug fixes for serious security issues in 1.9.x will continue until June 2012“). Fast alle arbeiten momentan daran, wie auch per Handzeichen bestätigt wurde. Als Einstieg in das Thema stellte Brigitte Kreplin (Fernuni Hagen) die Ergebnisse des ZKI Workshops zum Moodle-Umstieg dar.

Ein Ergebnis des Treffens sind die Pläne für gemeinsame Moodle-Dokus und Schulungsunterlagen sowie der damit verbundene Aufruf zur Mitarbeit an Moodle Docs. Ein weiterer Ansatz war das Ansetzen von Video-Konferenzen in kleineren Gruppen zu speziellen Themen, wie z. B. LSF-Schnittstelle.

Im Sinne des permanenten Erfahrungsaustauschs und Community-Buildings möchte ich auch an dieser Stelle nochmal auf das Hochschul-Forum der HU-Berlin verweisen (Passwort „moodlemoot“), wo auch weitere Infos und Dokumentationen zu dem Treffen zu finden sind.

 

Gerne nutze ich auch diese Stelle, um nochmals allen Organisatoren (hervorgehoben sei Stefan Molz), Helfern (Stichwort „gelbe Engel“) und Sponsoren für den großen Einsatz und die gute Orga zu danken. Den Vortragenden und Teilnehmern danke ich für die spannenden Einblicke und den Erfahrungsaustausch.

Die MoodleMoot 2013 wird an der Hochschule München Ende Februar (28.2./1.3. 2013) stattfinden. Bereits ab Oktober wird die Anmeldung dafür geöffnet – also nicht zu lange warten, um auch einen der limitierten Plätze zu bekommen. Und auch dann heißt es wieder:
Eine Konferenz ist mehr als die Summe ihrer Einzelvorträge.

 

Weitere Eindrücke zur MoodleMoot 2012 (neueste zuerst)

Moodlemoot 2012 (Yves Bochud, Institut für Fernstudien- und eLearningforschung (IFeL) der FFHS)

Moodlemoot 2012 an der WWU Münster (Carola Brunnbauer, eduweb der PHZ Luzern)

Moodlemoot in Münster – ein paar Gedanken danach… (Stephan Rinke, VHS Essen und edumorph aka „Die deutsche Stimme von Martin Dougiamas)

Mahara at MoodleMoot.de 2012 (Kristina D.C. Hoeppner, englisch)

Rückschau MoodleMoot 2012 (Uwe Klemm, Lehrer und Betreuer des Jenaer Schulmoodle)

Flickr-Bilder von der MoodleMoot 2012

 


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