Das Gewinnerprojekt des E-Teaching-Award 2015 im Detail


Ein Gastbeitrag von Dr. Marion Bolder-Boos, Stefanie Müller & Gabriel Dette – den Gewinnern des E-Teaching-Award 2015.

E-Learning und (Architektur-)Geschichte – passt das?

Historische Fakten und Zusammenhänge zu erlernen, bedeutet, mit Büchern zu arbeiten, in Lexika nachzuschlagen und Archivmaterial zu begutachten. Im Zeitalter der digitalen Medien, in dem man überall Internetzugang hat (und braucht), um eine größtmögliche Internetpräsenz zu zeigen, ist es gerade den Erstsemestern schwierig zu vermitteln, welche Informationen im Internet relevant und wichtig sind. Um ihnen trotzdem einen ihnen vertrauten Zugang zu den Inhalten der Architekturgeschichte zu bieten, haben wir – ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und zwei Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Fachkulturen – vor zwei Jahren beschlossen, genau dieses Medium Internet zu benutzen, um die Lehrinhalte unseres Grundlagenkurses zu vertiefen und den Studierenden auch über das erste Semester hinaus ein Online-Portal anzubieten, in dem sie Informationen zu historischen Bauten und Anlagen nachschlagen können. Was sich im ersten Moment nach einem arbeitsintensiven und komplizierten Plan angehört hat, ist inzwischen ein etablierter Bestandteil unseres Basiskurses Architekturgeschichte.

Der Basiskurs Architekturgeschichte

Das Modul „Basiskurs Architekturgeschichte“ besteht aus einem interdisziplinären Pflichtseminar im Studiengang Architektur (1. Semester B. Sc. und B. Ed. Bautechnik), das von den drei Fachgebieten Klassische Archäologie, Kunstgeschichte sowie Geschichte und Theorie der Architektur durchgeführt wird. Die Studierenden sollen hier einen Überblick über die Architekturgeschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Gegenwart bekommen, die wichtigsten Fachbegriffe kennen lernen und diese in Referaten über bestimmte Bauwerke anwenden. Dieser Basiskurs findet jeweils im Wintersemester in verschiedenen Gruppen mit insgesamt ca. 200 Teilnehmer*innen statt und wird mit einer Klausur abgeschlossen.

ToyBlocks – ein webbasiertes Lernspiel

In der ersten Seminarstunde wird das E-Learning-Portal „ToyBlocks“ als zusätzliches Angebot zum selbstständigen Erarbeiten und Überprüfen von Wissen angekündigt. Neben dem Erlernen wichtiger Fachtermini durch eine umfangreiche Enzyklopädie, können die Studierenden mittels verschiedener Spiele ihr Wissen vertiefen bzw. wiederholen und das Gelernte anwenden. Bei der Konzeption dieses Lernspiels war uns vor allem wichtig, dass dieses von beliebig vielen Mitgliedern der TU Darmstadt gleichzeitig und von allen internetfähigen Endgeräten aus benutzt werden kann. Dabei bleiben die Teilnehmer*innen vollständig anonym, indem sie sogenannte Nicknamen verwenden. Für die technische Umsetzung wurden wir tatkräftig von vier Studenten des Fachbereichs Informatik unterstützt, die dieses Projekt im Rahmen ihres Bachelorpraktikums umgesetzt haben: Simon Bugert, Mansur Iqbal, Steven Reynolds und Andrej Tretjakow.

Die verschiedenen Spielmodi und deren Lernziele

Abb. 1: Startseite von ToyBlocks (© TU Darmstadt / Fachbereich Architektur)

Abb. 1: Startseite von ToyBlocks (© TU Darmstadt / Fachbereich Architektur)

Insgesamt bietet ToyBlocks eine interdisziplinäre Vernetzung von Lerninhalten durch ein spielerisches Erwerben von Sachwissen, wobei man durch Erfolgserlebnisse und wechselnde Aufgaben zu einer häufigen Nutzung animiert werden soll. Alle Spiele sind intuitiv konzipiert und das Layout ist so angelegt, dass es sowohl am PC als auch an kleineren Tablet- oder Smartphone-Bildschirmen benutzt werden kann. Für den Zugang benötigt man die TU-ID sowie zu Beginn einmalig ein Semesterpasswort. Auf der Startseite werden die verschiedenen Spielmodi präsentiert; in der Kopfzeile findet sich der Verweis auf die Enzyklopädie.

Neben einem klassischen Multiple-Choice-Modus, in den bisher über 220 Fragen eingearbeitet sind, gibt es den „Zeitstrahl“, die „Fehlstellen“ und den „Baukasten“.

Abb. 2: ToyBlocks-Spiel “Zeitstrahl mit Lösung” (© TU Darmstadt / Fachbereich Architektur)

Abb. 2: ToyBlocks-Spiel “Zeitstrahl mit Lösung” (© TU Darmstadt / Fachbereich Architektur)

Beim „Zeitstrahl“ wird man aufgefordert, verschiedene Gebäude – bei denen der Name sowie ein charakteristisches Bild gezeigt wird – in die richtige Reihenfolge der Stilepochen zu bringen. Ist das erfolgreich gelungen, werden in der Lösung weitere Informationen wie Architekt, Standort und genauere Bauzeit des Gebäudes präsentiert. Auf diese Weise trainieren die Studierenden, Stilelemente zu erkennen und diese einer Stilepoche zuzuordnen.

Im „Fehlstellen“-Modus werden den Teilnehmer*innen Abbildungen dargestellt, in denen wichtige Elemente wie Fenster, Kapitelle, Dächer oder Ähnliches ausgeblendet sind; hier müssen sie das stilabhängig richtige Bauteil zuordnen.

Der „Baukasten“ bietet die Möglichkeit, komplexere Bauteile – beispielsweise die Ansicht eines antiken Tempels oder den Wandaufbau einer gotischen Kirche – zusammen zu bauen. Vorgegeben sind die einzelnen Bauteile, die in die richtige bauliche Reihenfolge gebracht werden müssen.

ToyBlocks beinhaltet auch ein kompetitives Element: Bei der Daily Challenge können die zuvor vorgestellten Spielmodi täglich in einer neuen, zufällig generierten Reihenfolge gespielt werden; am Ende kann man sich in einer Rangliste mit den anderen Teilnehmer*innen des Tages vergleichen.

Feedback und Ausblick

Obwohl wir dieses Portal bisher noch nicht konkret evaluiert haben, sind die mündlichen Rückmeldungen der Studierenden bisher durchweg positiv. Als Administrator*innen der Plattform können wir eine Statistik einsehen, die zeigt, dass ToyBlocks im Verlauf des aktuellen Wintersemesters stetig benutzt wird. Auch die Pflege und Aktualisierung von Inhalten ist sehr intuitiv sowie einfach gestaltet und damit wenig zeitaufwendig. Aus diesem Grund können wir auch studentische Hilfskräfte beauftragen, neue Inhalte einzuarbeiten.

Dank des E-Teaching-Awards haben wir nun finanzielle Mittel, unsere E-Learning-Plattform weiterzuentwickeln. Hierbei können wir uns vorstellen, ein teamförderndes Element hinzuzufügen: Teilnehmer*innen könnten komplexere Aufgaben in einer Gruppen lösen. Außerdem wollen wir ToyBlocks stärker an den Verlauf des Seminars anpassen, indem wir den Studierenden die Auswahl geben, in welchen Epochen sie ihr Wissen prüfen wollen.

Gerne geben wir das Semesterpasswort an Interessierte weiter und würden uns freuen, unsere Erfahrungen mit anderen Fachdisziplinen zu teilen.

Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich an uns:

Marion Bolder-Boos (Klassische Archäologie)

Gabriel Dette (Kunstgeschichte)

Stefanie Müller (Geschichte und Theorie der Architektur).

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