Google Wave – Revolution der Online-Kommunikation? 1


Google Wave LogoSeit der Vorstellung von Google Wave (Wikipedia-Link) auf der Google-I/O-Konferenz am 27. Mai 2009  (Video der Wave-Präsentation, unten eingebettet) wurde schon sehr viel in der Blogosphäre darüber geschrieben und dem ganzen Projekt allgemein sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet. Was also ist nun Google Wave  bzw. was macht es so besonders oder anders? Wir alle kennen die inzwischen seit sehr vielen Jahren etablierte Kommunikation per E-Mail. Bei Google Wave sendet der Nutzer nicht eine Nachricht an bestimmte Nutzer, sondern startet eine so genannte „wave“. Diese „waves“ enthalten den kompletten Ablauf der Kommunikation sowie alle verwendeten Dokumente und werden zentral auf einem Server gespeichert. Dadurch muss nicht jeder die komplette Kommunikationshistorie in seinem eigenem Postfach speichern und dafür sorgen, dass alles aktuell ist. Es gibt nur eine Version – und die liegt auf dem Server. Durch den direkten Zugriff gibt es keine Versionskonflikte mehr, auch wenn mehrere Teilnehmer gleichzeitig arbeiten, dies wird z.B. farblich markiert. Eine Versionskontrolle ermöglicht auch das Wiederherstellen älterer Versionen. Die Teilnehmer können außerdem sehen, was die anderen gerade tippen, Buchstabe für Buchstabe (abschaltbar). Auch die Verwaltung von Dateien läuft anders: Es werden keine klassischen Dateianhänge benutzt, sondern per Drag-and-drop file sharing betrieben, indem die Dateien in den Browser gezogen werden. Jederzeit können Teilnehmer an der „wave“ hinzugefügt oder entfernt werden. Dies können alle Teilnehmer der „wave“ gleichberechtigt tun. Sie können auch die komplette Historie der „wave“ ansehen („playback“). Außerdem soll es eine automatische Übersetzung in 40 Sprachen geben. Dies sind einige der wichtigsten Funktionen. Eine Programmierschnittstelle soll Entwicklern zudem ermöglichen, eigene Erweiterungen zu implementieren (Google Wave API). Die Entwickler von Wave waren übrigens auch hauptverantwortlich für die Entwicklung von Google Maps.

Es handelt sich also um eine Echtzeit-Kommunikations-/Kollaborations-Plattform, wohingegen E-Mail asynchron abläuft (Wave kann auch asynchron genutzt werden). Bei Wave werden Funktionen von E-Mail, Instant Messaging, Chats, Wikis, Social Networking, Fotoportal, Twitter, Projekt-Management und anderen kombiniert. Das besondere sind also nicht die einzelnen Werkzeuge an sich, sondern deren Bündelung in einem einzigen Werkzeug mit einheitlicher und eingängiger Oberfläche. Das ganze läuft Browser-basiert und der Quellcode soll als Open Source zur Verfügung gestellt werden. Durch die ebenfalls angekündigte Bereitstellung als Server-Version dürften auch Befürchtungen in Richtung Datensicherheit und „gläserner Nutzer“, die schnell in Verbindung mit google aufkommen, beschwichtigt werden. [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=v_UyVmITiYQ[/youtube]

Auch der Internet-Vordenker Tim O’Reilly hat sich zu Wave geäußert („What Might Email Look Like If It Were Invented Today?„).

Was könnte Wave für den Bereich E-Learning bringen? Denkbare Nutzungsszenarien wären z.B. die Wiki-Funktion und gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten; Aufgabenstellungen gemeinsam erledigen oder Online-Trainings zusammenstellen. Demnach könnte es besonders für Seminare sowie Arbeits- und Studentengruppen ein mächtiges Werkzeug sein, da Kollaboration im Mittelpunkt steht. Es könnte auch als eine Lernplattform eingesetzt werden mit seinen großen Stärken in der Kollaboration. Für die Lehrenden wäre dann aber neu, dass die Kommunikation und Informationsvermittlung nicht mehr so gut steuerbar ist, da alle Nutzer gleichberechtigt sind und – zumindest bisher – offenbar kein Rollenmodell vorgesehen ist. Dafür kann es aber mit den vielen vereinten Funktionen ziemlich flexibel eingesetzt werden. Möchte sich z.B. innerhalb eines Kurses eine eigene Untergruppe bilden, öffnen sie einfach eine neue „wave“ und können dafür auch Personen involvieren, die nicht im Kurs eingeschrieben sind. Mit dem Thema Learning Management Systeme und Wave hat sich auch Michael Feldstein auseinandergestetzt („Does Google Wave Mean the End of the LMS?„).

Durch das integrierte Sprachübersetzungs-Tool namens „Rosie“ ergeben sich auch neue Möglichkeiten im Hinblick auf die Kollaboration über verschiedene Sprachen hinweg – ohne englisch als gemeinsame Basis nutzen zu müssen. Es ist zukünftig wahrscheinlich auch noch mit zusätzlichen interessanten Erweiterungen zu rechnen. Denn Wave bietet nicht nur eine Programmierschnittstelle sondern befindet sich auch noch in der Entwicklungs- bzw. Testphase und wird voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht. Alle Fakten dazu basieren demzufolge auf Demo-Videos und Berichten. Alle Endnutzer können dann spätestens Anfang nächsten Jahres selbst testen und sich von den Qualitäten ein eigenes Urteil bilden. Erst danach ist besser absehbar, welche Möglichkeiten für E-Learning Google Wave tatsächlich bietet. Die bisherigen Eindrücke sind zumindest sehr interessant und viel versprechend.

10 Minuten-Version der Wave-Präsentation (unterhalb eingebettetes Video) [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Itc4253kjhw[/youtube]

Wave-Screeenshots inklusive englischem Artikel gibts auf TechCrunch, eine noch ausführlichere Beschreibung der einzelnen Features auf englisch unter Mashable.


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