360° Lehr-Lernszenarien: Immersive Einblicke und didaktische Weitsicht


Wie gelingt es Studierenden direkte Einblicke in Labore, Werkstätten oder an andere schwer zugängliche Orte zu gewähren? Wie ist es möglich diese Einblicke mediendidaktisch aufzuwerten und als immersive Lernszenarien zu gestalten?

Diesen Fragen widmete sich Anfang März das 15. „Wissensnugget“ des Digitale Lehre Hub Niedersachsen, organisiert durch das Media Lab der Technischen Universität Braunschweig. Bei diesem hat Markus Weber von der E-Learning Arbeitsgruppe der TU Darmstadt einen Einblick in die praktische mediendidaktische Umsetzung von immersiven 360°-Lernumgebungen innerhalb der Universität gegeben.

Die Wissensnuggets des Digitale Lehre Hub Niedersachsen

… bieten Lehrenden und Servicekräften aller Fachrichtungen ein kompaktes, 45-minütiges Format für praxisnahe Impulse zur digitalen Hochschullehre. In diesen, von internen und externen Expert*innen gestalteten Sessions, stehen konkrete Einblicke und der direkte Transfer in die eigene Lehrpraxis im Vordergrund. Der anschließende offene Erfahrungsaustausch ermöglicht es, innovative Ideen gemeinsam zu diskutieren und für die eigene Arbeit weiterzuentwickeln.

Mehr als nur Rundumsicht

Der Vortrag beim „Wissensnugget“ basierte maßgeblich auf den Ergebnissen des Projekts fuels (Future Learning Spaces) an der TU Darmstadt. Dabei wurde deutlich, dass die Erstellung von 360°-Szenarien weit über die rein technische Ebene – das Aufnehmen von Kugelpanoramen – hinausgeht.

Während die technische Umsetzung heute vergleichsweise niederschwellig ist, liegt die eigentliche Komplexität in der didaktischen Konzeption. Eine 360° Umgebung entfaltet erst sein ganzes Potenzial, wenn es gezielt als Lehr-Lernmedium verstanden und durch Interaktionen und zusätzlichem Content erweitert wird.

Doch wie sieht ein solcher Gestaltungsprozess beispielsweise an der TU Darmstadt aus?

Um Lehrenden den Einstieg zu erleichtern und eine hohe Qualität zu gewährleisten, wurden im Vortrag zwei zentrale Orientierungshilfen vorgestellt:

Infografik „Road to 360°“

Diese Infografik dient als Wegweiser von der ersten Ideenfindung bis zur Veröffentlichung. Sie stellt die entscheidenden Fragen:

  • Warum 360°?
  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Und vor allem: Was sind die konkreten Lehr- und Lernziele?

Sie macht deutlich, dass die didaktische Entscheidung immer vor der Technik stehen muss und gibt Hilfestellung diese grundlegenden Festlegungen zu treffen.

Infografik zur Produktion von 360° Touren als Pipeline-Darstellung

Basierend auf einem aktuellen Paper wurde eine detaillierte Produktions-Pipeline präsentiert. Diese unterteilt den Erstellungsprozess in klare Phasen:

  • Konzeption: Ziele, Lerninhalte und Ressourcen festlegen.
  • Entwicklung: Erstellung von Shooting-Plänen, Interaktionslisten und die Festlegung des „Skins“ (Benutzeroberfläche).
  • Produktion & Nachbearbeitung: Vom professionellen Stitching der Aufnahmen bis zur Programmierung komplexer Interaktionen (z. B. mit 3DVista).
  • Veröffentlichung: Qualitätssicherung und zielgruppengerechte Bereitstellung.

Die Pipeline ist damit ein zentrales Werkzeug im Rahmen des Mediendidaktischen Begleitungsprozesses an der TU Darmstadt und hilft bei den einzelnen, zum Teil komplexen Produktionsabschnitten den Überblick zu behalten.

Didaktische Herausforderungen und Notwendigkeiten

Die Einbindung von 360°-Umgebungen in das Curriculum stellt Lehrende vor spezifische Herausforderungen, die im Rahmen des Wissensnuggets beleuchtet wurden:

  • Geführte Exploration: Ein 360°-Foto allein garantiert keinen Lernerfolg. Ohne klare Aufgabenstellung verlieren sich Lernende oft in der visuellen Fülle.
  • Interaktive Anreicherung: Die didaktische Notwendigkeit liegt in der Verknüpfung des Raumes mit fachspezifischen Informationen durch eingebettete Texte, Videos oder Audio-Erklärungen.
  • Szenarien-Typen: Die Bandbreite reicht von der einfachen virtuellen Besichtigung (z. B. zur Orientierung) bis hin zu komplexen, handlungsorientierten Szenarien ähnlich interaktiver „Escape Games“.

Fazit: Den digitalen Raum professionell gestalten

Das Wissensnugget unterstrich:

  • Moderne Hochschullehre profitiert massiv vom hochschulübergreifenden Austausch.
  • Die Erfahrungen der TU Darmstadt und die vorgestellte Pipeline zeigen, dass der Fokus von der rein technischen Produktion hin zur didaktischen Design-Kompetenz rücken muss.
  • Für Lehrende, die ihre eigene Lehre um eine immersive Dimension erweitern möchten, bietet die E-Learning Arbeitsgruppe der TU Darmstadt umfassende Unterstützung und Beratung an, um Visionen von zukunftsweisenden Lernräumen gemeinsam Realität werden zu lassen.

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