Learning Analytics (LA) wird häufig als die Messung, Sammlung, Analyse und Aufbereitung von Daten über Lernsettings und Lernprozesse beschrieben – mit dem Ziel, Lernen besser zu verstehen, Reflexionsanlässe zu schaffen und Lernprozesse gezielt zu fördern.
In der Hochschulpraxis kann Learning Analytics dort sichtbar werden, wo Daten „zusammenlaufen“: in Dashboards, die Lernaktivitäten und Fortschritte darstellen. Doch damit stellt sich eine Frage, die erstaunlich oft zu kurz kommt: Wie muss ein Dashboard gestaltet sein, damit es Studierende tatsächlich unterstützt und nicht nur Daten zeigt?
Genau an diesem Punkt setzte unser Vorhaben an: die Kombination aus einem Co-Design Workshop mit Studierenden und die Auftragsvergabe für das Teamprojekt Softwareentwicklung im Bachelor Informatik. Learning Analytics sollte nicht zuerst technisch gedacht werden, sondern aus der Perspektive derjenigen, die täglich mit der Lernplattform Moodle arbeiten. Statt Annahmen über Bedürfnisse zu treffen, wollten wir verstehen, welche Informationen Studierende als hilfreich erleben, welche Darstellungen Orientierung geben und wo Visualisierungen eher Druck erzeugen oder unklar bleiben.
Co-Design als Ausgangspunkt: Bedürfnisse statt Features
Im Co-Design Workshop mit Studierenden im Sommer 2025 stand deshalb nicht die Frage „Was ist technisch möglich?“ im Vordergrund, sondern „Was wäre aus Studierendensicht sinnvoll?“. Entscheidend war dabei die bewusst niedrigschwellige Ausrichtung. Es brauchte keine technischen Vorkenntnisse, weil es nicht um Implementierungsdetails ging, sondern um studentische Erfahrungen, Erwartungen und konkrete Ideen. Auch der studentische E-Learning-Beirat war beim Workshop engagiert vertreten und brachte sich mit großer Motivation in die Diskussionen und Designideen ein.
Der Workshop war als schrittweise Annäherung konzipiert. Zunächst ging es darum, Lernprozesse zu reflektieren: Wo entstehen im Studienalltag Orientierungslücken? Wann wünscht man sich eine Rückmeldung und wie sollte sie gestaltet sein, damit sie motivierend wirkt? Von dort aus näherten wir uns nach und nach den möglichen Funktionen eines Dashboards und schließlich der Frage, wie Informationen visuell so dargestellt werden können, dass sie verständlich, handlungsorientiert und zugleich sensibel im Umgang mit Leistung und Vergleich sind.
Das gemeinsame Ergebnis war ein Anforderungskatalog ergänzt durch erste Designideen in Form von Scribbles. Wichtig war weniger ein „fertiges“ Design, sondern eine richtungsweisende Grundlage: Welche Inhalte und Funktionen sollen enthalten sein? Welche Darstellung unterstützt Selbstorganisation? Wo braucht es Kontext, um Zahlen einordnen zu können? Und wie muss ein Dashboard aufgebaut sein, damit es im Studienalltag tatsächlich genutzt wird?

Vom Katalog zum Prototyp: Umsetzung als Moodle-Plugin
Mit dem Anforderungskatalog und den ersten Designskizzen lag nun eine Grundlage vor, die Studierendenbedürfnisse konkretisiert und in eine technische Entwicklung übersetzt. Ein Prototyp als Moodle-Plugin war darauf aufbauend der nächste Schritt und dieser nicht als Endpunkt, sondern als Testfeld, um zu prüfen, welche Annahmen tragen, welche Darstellungen funktionieren und wo nachjustiert werden muss. So wurde im nächsten Schritt also das Workshop-Ergebnis zur Grundlage für die prototypische Umsetzung im Rahmen eines studentischen Teamprojekts Softwareentwicklung im Wintersemester 2025/2026, woraufhin ein interaktives Dashboard als Moodle-Plugin entstand, das die Perspektive der Studierenden abbildet und sie gezielt bei Organisation, Reflexion und Motivation ihres Lernprozesses unterstützen soll. Auch hier flossen die Perspektiven der studentischen Entwickler:innengruppe nicht nur auf technischer Seite, sondern auch bei der inhaltlichen Gestaltung mit ein.

Was bleibt: Ein Perspektivwechsel mit Wirkung
Rückblickend zeigen die beiden Partizipationsformate mit Studierenden vor allem eines: Learning Analytics wird dann anschlussfähig, wenn es nicht als reines Reporting verstanden wird, sondern als Unterstützung für Selbststeuerung und den eigenen Lernprozess.
So ist aus einer Ausgangsfrage („Wie sollte ein Dashboard aussehen?“) ein Prozess geworden, der unterschiedliche Perspektiven systematisch verbindet: Studierendenwissen als Ausgangspunkt sowie technische Umsetzung als Experimentierraum und Learning Analytics als Unterstützungsangebot, das sich am Lernalltag messen lassen muss.
Die Formate fanden im Rahmen des Analyse- und Designprojekts zu Learning Analytics (LA) an der TU Darmstadt statt, das Bedarfe, Herausforderungen und Chancen datengestützter Auswertungen zur Förderung von Lehr- und Lernprozessen erkundet.




