Eindrücke von der MoodleMoot 2010 in Berlin 1


Donnerstag und Freitag (25.+26.3.) nahm ich an der MoodleMoot 2010 in Berlin teil. Zuerst einmal vielen Dank an alle Organisatoren und Vortragenden für die gute Durchführung. Von ursprünglich 300 vorgesehenen wurde die Teilnehmerzahl aufgrund der großen Nachfrage auf 350 erhöht.

Zu Beginn der beiden Haupttage (23.+24.3 war Pre-conference) wurden alle von Andreas Vollmer (HU Berlin) begrüßt. Ralf Hilgenstock (eLeDia) übernahm die Keynote und begrüßte zuerst 5 besondere Moodle-Akteure (u.a. die Entwickler Penny Leach und Petr Škoda). Er ging auf Moodle 2.0 ein, was ein immer interessanter und beliebter werdendes Thema ist. Übrigens, wer die Seite noch nicht kennt – ist Moodle 2.0 schon fertig? (http://ismoodle2outyet.com/). Die tagesaktuelle Entwicklungs-Version von Moodle 2.0 kann unter test.moodle.net genutzt werden. Zu den zu erwartenden neuen Funktionen hatte ich hier im Blog schon zwei Mal berichtet (im Februar sowie letzten August). Im Vergleich dazu grundlegendes Neues hatte er auch nicht zu berichten, trotzdem kann ich noch auf ein paar Dinge eingehen. Eine stark nachgefragte Neuerung wird die kursübergreifende Dateiverwaltung sein. Die Dateien liegen nicht mehr in jedem Kurs, sondern in einem übergreifenden Ordner, wodurch gleiche Dateien für mehrere verschiedene Kurse nutzbar sind, ohne sie mehrfach hochladen zu müssen. Außerdem werden auch andere Repositories einfach einzubinden und eine Flickr-Suche integriert sein. Damit kann direkt aus Moodle heraus auf Flickr nach Bildern gesucht und das gewünschte Flickr-Bild im Moodle-Kurs eingebunden werden. Die abschließende Empfehlung vom Moodle-Urgestein Hilgenstock lautete, die neue Version nicht direkt nach der Veröffentlichung einzusetzen, sondern erst ein paar Monate zu warten, bis die Kinderkrankheiten behoben sind. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung und Roadmap fokussieren die nächsten Unterversionen (2.1, 2.2 usw.) Verbesserungen der Tools und pädagogischen Werkzeuge.

Keynote von Gilly Salmon (Bild Dag.Klimas, Flickr)

Am zweiten Tag hielt Gilly Salmon die Keynote „The tree of learning“. Sie ist Professorin an der Uni Leicester und u.a. als Autorin der Bücher „E-tivitis“ und „E-Moderating“ bekannt. Im Vortrag ging sie auch kurz auf ihr Projekt “Media Zoo“ ein und empfahl allen, sich auf der website „tree of life“ von der BBC umzuschauen, die unter CC-Lizenz steht.

Nach der Keynote teilte sich die Teilnehmerschar in die verschiedenen Tracks auf. Es gab an beiden Tagen 11 verschiedene „Tracks“, wobei in jedem der elf Räume die Vorträge oder Workshops in ein anderes Themengebiet eingeordnet waren, sowie permanent begleitend dazu in einem Raum die Sprechstunde bei Dr. Moodle. An dieser Stelle möchte ich von ein paar ausgewählten Beiträgen berichten.

Moodle optimiert für den Hochschulbetrieb
Eingestiegen bin ich mit dem Track „Moodle: Optimiert für den Hochschulbetrieb“, bei dem Susi Hailer und Anne C. Spindler von ihren Anpassungen von Moodle an der HS München berichtet haben. Die HS hat ca. 15000 Studierende sowie 1500 Mitarbeiter und Professoren. Der momentane Nutzungsanteil wurde auf 30% geschätzt. Die Authentifizierung läuft über Shibboleth. Neben funktionalen Anpassungen wie der Integration eines Kursbeantragungsformulars für die Lehrenden, war der Punkt Datenschutz ein großes Thema bei den Münchnern. In Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten wurde der Nutzungsbedingungen-Text, welcher beim erstmaligen Login bestätigt werden muss, ausgearbeitet. Außerdem wurden einige Funktionen, die Nutzerdaten und Tracking betreffen, abgeschaltet. Interessant ist der Ansatz, in der Breadcrumb jedem Fachbereich eine eigene Farbe zuzuweisen, was einen schönen Wiedererkennungswert bietet. Ein weiteres wichtiges Thema bei den großen Hochschul-Instanzen ist der Support. Dafür wurde ein fixierter Block „Support“, der in allen Kursen an der gleichen Stelle sichtbar ist, implementiert. Desweiteren wurde das Ticket-System HESK in Moodle integriert, so dass für die Nutzer die Optik auch bei Benutzung des Ticketsystems gleich bleibt. Ein weiterer spannender Ansatz ist die Wissensdatenbank, dessen Einträge durch die Nutzer mit einem Sternesystem bewertet werden können. Wenn die Bewertung zu schlecht ist, wird nachgebessert.

Vom LMS zur PLE – Moodle und Mahara
Sieglinde Jakob-Kuehn berichtete von den Ideen und Konzepten von E-Portfolios, wobei sie gerne mit Koch-Metaphern arbeitet. Dabei bezog sie sich auf den Einsatz von Mahara. Folgende Vorteile können angeführt werden: Fokussieren aufs Positive (und nicht auf die Fehler, wie üblich), formales und informelles Lernen, gezieltes Freigeben, freies Zusammenstellen und neuordnen der Inhalte. In Bezug auf die Moodle-Mahara-Integration bekam sie Unterstützung von Penny Leach, die besonders für die 2er Version vieles in der Richtung programmiert hat. Nachdem Mahara als Moodle-Plugin installiert wurde, kann man sich direkt aus Moodle in Mahara anmelden, ohne erneute Dateneingabe. Hinter jeder Datei erscheint ein Mahara-Logo. Mit dem neuen Portfolio Standard-Format Leap2A können Inhalte in Mahara im- und exportiert werden.

LMS-Datensarg oder Open Access? OER mit Moodle

Open Access und Open Educational Resources mit Moodle (HU Berlin)

Open Access und Open Educational Resources mit Moodle

Andreas Vollmer und Jens Eremie von der Humboldt-Uni Berlin berichteten von dem spannenden Ansatz, Moodle in Richtung OER zu erweitern. Als Grundlage dafür und zur Transparenz haben sie einen Moodle-Kurs „Open Acces und OER“ entwickelt, der konsequenter Weise unter CC-Lizenz zur Verfügung steht. Welche Änderungen haben sie nun an ihrer Moodle-Instanz vorgenommen? Alle offenen Kurse (Typ Gastzugang ohne Schlüssel) wurden per Sprachdatei-Anpassung umbenannt in „OER = Open Educational Resources“ und das Icon wurde in ein OER-Icon getauscht. Dass auch allen Teilnehmern eines solchen Kurses die Öffentlichkeit bewusst ist, erscheint im Header der Kurse ein Text „Öffentlicher Kurs | mehr…“ (siehe Screenshot) mit Link zum oben genannten OER-Kurs. Anhand des offenen Kurses „Präsenzveranstaltungen mit E-Learning-Angeboten anreichern“ ist das auch gut zu sehen. Als weitere Ergänzung wurde die Kurssuche erweitert, so dass „nur OER“ als Checkbox ausgewählt werden kann, womit in der Ergebnisliste nur noch offene Kurse erscheinen. Da die Sichtbarkeit von Foren und ähnlichen Aktivitäten mit Nutzerdaten für solche Kurse problematisch sein kann, wurde das Konzept des semi-transparenten Kurses angesprochen (Thomas Pfeffer, 2007). Ein pragmatischer Lösungsansatz der HU war das arbeiten mit so genannten „Gruppierungen“ (muss plattformweit durch admin freigeschaltet werden), was das freigeben bestimmter Aktivitäten nur für die Teilnehmer ermöglicht.

Moodle und der Adlerblick für das Unwesentliche. Mit Moodle und Social Software auf den Spuren des Dialogs
Den spannendsten Vortrag (an dem ich teilnahm) lieferte Max Woodtli von elearn.ch, der auch an der PH Thurgau als Lehrbeauftragter tätig ist. In den 75 Minuten zeigte sich wieder einmal, wie sehr eine Präsentation mit ansprechenden und passenden – teils auch überraschenden – Bildern die Aufmerksamkeit der Zuhörer binden kann. Außerdem arbeitete er immer wieder mit guten Aktivierungsübungen, die auch zur Auflockerung beitrugen (Himmelsrichtungen Nord zeigen, Perspektivenwechsel beim Finger im Uhrzeigersinn bewegen). Noch dazu hat er mit einer „Peter-Klara Story“ gearbeitet, bei der durch die beiden Charaktere die Inhalte entwickelt wurden (Stichwort Storytelling). Inhalte ist das Thema – worum ging es eigentlich? Der Kerngedanke war, dass nicht immer in ausgetretenen Pfaden und Kategorien gedacht, sondern laterales Denken genutzt werden sollte. Eingefahrene Denkmuster sollten durch laterales Denken aufgebrochen werden. Diese Grundidee wurde anhand des Themas E-Moderation entwickelt. Beim Feeedback z.B. sollte auf Wertschätzung, Ressourcen-Orientierung, Zielorientierung, Auftragsklärung und Transparenz geachtet werden. Insgesamt ein sehr inspirierender Vortrag vom Schweizer Woodtli, der die Fantasie angeregt hat. Mein Lieblingszitat von ihm: „Ich bin verantwortlich für das, was ich sage, aber nicht für das, was Sie verstehen“.

Was bleibt also abschließend zu sagen bzw. schreiben? Die MoodleMoot bot zwei spannende Tage, an denen neben den vielen präsentierten Themen vor allem das Knüpfen, Auffrischen und Intensivieren von Hochschulkontakten sehr erfreulich war. Da die Themen, Probleme und Aufgaben an den verschiedenen Hochschulen viel ähnlicher sind, als manchmal gerne behauptet, sind solche Veranstaltungen alleine aus dieser Perspektive heraus schon gewinnbringend und immer wieder empfehlenswert. So können wir also schon der nächsten großen MoodleMoot entgegenblicken, die März 2011 in Elmshorn bei Hamburg stattfinden wird.

Foto-Impressionen der MoodleMoot 2010 Berlin
http://www.flickr.com/groups/mootde10b/pool/
http://www.flickr.com/photos/51589190@N00/with/4461660135/
http://picasaweb.google.com/Max.Woodtli/MoodleMoot2010Berlin#

Weitere Berichte zur MoodleMoot 2010 in Berlin
Johannes Maurek (Hochschullehrer): Moodlemoot Berlin 2010 – day one und Moodlemoot Berlin 2010 – the next day (dort geht er u.a. auf Openmeetings und OpenDesktop ein.)
Maik Riecken
(Lehrer): MoodleMoot2010 in Berlin und MoodleMoot2010 – Vortragsnachlese
Uwe Klemm
(Lehrer): MoodleMoot 2010 – Tag 1 und MoodleMoot 2010 -Tag 2
Christine Schneider (ELC Uni Heidelberg): Bericht zur MoodleMoot Berlin
Ulrich Weber: Nachlese MoodleMoot 2010 Berlin


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